Darstellung eines Quasars: ein rotierendes Schwarzes Loch, das Materie anzieht und verschlingt und dabei ungeheure Reibungsenergie erzeugt. Ströme aus heißen Gasen (Jets) schießen ins Universum.

BerlinAstronomen haben das gefräßigste Schwarze Loch gefunden, das bislang bekannt ist. Es verleibt sich eine Sonne pro Tag ein, was die Masse der Materie betrifft, berichtet ein Astronomen-Team um Christopher Onken von der Australian National University (ANU) im britischen Fachblatt MNRAS. Mit einer Masse von 34 Milliarden Sonnen ist das Schwarze Loch demnach eines der schwersten im Universum.

„Die Masse des Schwarzen Lochs ist rund 8000-mal größer als die des Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Milchstraße“, sagte Christopher Onken. „Wenn das Schwarze Loch der Milchstraße so fett werden wollte, müsste es zwei Drittel aller Sterne in unserer Galaxie verschlucken.“ Das Rekord-Loch gehört zu einer aktiven Galaxie, einem sogenannten Quasar mit der Katalognummer SMSS J2157. Quasar ist ein Kunstwort und bedeutet „quasi-stellar radio source“, übersetzt etwa: „sternartige Radioquelle“. Diese Galaxien sind extrem weit entfernt, so dass sie wie eine sternartige Punktquelle am Himmel erscheinen.

Quasare gehören zu den am stärksten strahlenden Objekten im Universum und sind nahezu im gesamten Kosmos zu sehen. Sie entstehen, weil das Schwarze Loch aus der Galaxie, die es umgibt, immer mehr Materie anzieht und verschlingt - darunter zerrissene Sterne, interstellares Gas und Staub. Dabei wächst es immer weiter und bildet um sich her eine immer größere, immer dichter werdende sogenannte Akkretionsscheibe. Diese rotiert und heizt sich dabei auf. Die Umgebung eines Schwarzen Lochs mit 100 Millionen Sonnenmassen kann eine Temperatur von bis zu einer Million Grad Celsius erreichen. Ein Quasar kann heller leuchten als Milliarden Sterne zusammen. Starke Magnetfelder zerreißen einen Anteil des Materiestroms in zwei Teile und stoßen diese als Gasströme (Jets) weit ins All.

Der jetzt von Astronomen beschriebene Quasar SMSS J2157 ist der bislang leuchtstärkste des ganzen Universums. Sein Licht war extrem lange unterwegs: 12,6 Milliarden Jahre. „Wir sehen ihn zu einer Zeit, als das Universum erst 1,2 Milliarden Jahre alt war, weniger als zehn Prozent seines heutigen Alters“, sagt Christopher Onken. Wie das gigantische Schwarze Loch in so kurzer Zeit auf eine derart gewaltige Masse anwachsen konnte, ist für die Astronomen rätselhaft. „Bei einem so riesigen Schwarzen Loch sind wir auch gespannt, was wir über die Galaxie lernen können, in der es wächst“, sagt Onken. „Ist diese Galaxie einer der Kolosse des jungen Universums, oder hat das Schwarze Loch nur ungewöhnlich viel seiner Umgebung verschluckt?“ Die Astronomen hoffen nun, ähnliche Schwarze Löcher im jungen Universum aufzuspüren.

Der gängigen Theorie zufolge entstehen Schwarze Löcher am Ende massereicher Sterne. Sie kollabieren, und ihre Gravitation ist so stark, dass nicht einmal mehr Licht entweichen kann. Aus unserer eigenen Sonne kann kein Schwarzes Loch werden, dazu müsste sie etwa 40-mal mehr Masse haben. Ihr Ende sieht vermutlich so aus: In etwa fünf Milliarden Jahren geht der Sonne langsam der Brennstoff aus. Sie bläht sich auf zu einem Roten Riesen und schluckt die Planeten - wohl auch die Erde. Wenn alle nukleare Energie verbraucht ist, fällt sie in sich zusammen. Übrig bleibt eine kleine, milchig schimmernde Sternleiche: ein Weißer Zwerg. (dpa/fwt/BLZ)