Hyaluron, Collagen: Machen uns „Wundermittel“ wirklich schöner?

Makellose, samtweiche Haut auch mit 40, 50 oder 60 Jahren – immer mehr Produkte und Methoden versprechen uns Verbrauchern genau das. Doch wie wirken diese Cremes und Spritzen eigentlich? Experten verraten, was die vermeintlichen „Wundermittel“ wirklich können.

Die schlechte Nachricht gleich mal vorweg: Das Altern lässt sich nicht aufhalten. Der Zahn der Zeit nagt an uns allen. Doch man kann einiges tun, um jugendlicher auszusehen. Wichtigstes Kennzeichen ist und bleibt die Haut.

„Ob es uns gut geht oder nicht, kann man buchstäblich an der Oberfläche unseres Körpers sehen. Daher sprechen wir auch von schöner Haut, wenn wir eine jugendliche Haut meinen“, erklärt die Dermatologin Uta Schlossberger.

Wundermittel Feuchtigkeit

Eines der besten Rezepte gegen Hautalterung ist Feuchtigkeit. Sie sorgt dafür, dass die Haut von innen aufgepolstert wird und kleine Fältchen verschwinden. Dumm nur: Mit den Jahren verliert unser Gewebe die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen.

Die sogenannte Tiefenhydration verschafft hier Abhilfe: „Dabei wird die Haut von innen mit wertvoller Feuchtigkeit versorgt. Während der Behandlung werden Mikroreservoirs von stabilisiertem Hyaluron in die Haut injiziert“, erklärt Hautarzt Stefan Duve.

Und so funktioniert es: Die weiche, gelartige Substanz absorbiert Wasser und versorgt die Haut so in ihren tieferen Schichten. Allerdings ist diese Methode nicht wirklich günstig: Mehrere Hundert Euro können pro Behandlung zusammenkommen.

Hyaluronsäure, ist das nicht giftig?

Allergiker brauchen die Spritze übrigens nicht zu fürchten. Obwohl Hyaluronsäure sehr nach Chemie klingt, ist es ein reines Naturprodukt. Das Besondere: Ein Gramm kann bis zu sechs Liter Wasser binden. Darüber hinaus fängt sie freie Radikale ab und polstert die Haut von innen auf.
Zu ärgerlich, dass diese Wunderwaffe im menschlichen Bindegewebe ab dem Alter von 25 Jahren allmählich an Wirkung verliert. Doch die moderne Forschung ist mittlerweile soweit, dass Hyaluronsäure, die heute aus Mikroorganismen wie Weizen gewonnen wird, auch von außen aufgenommen werden kann, etwa durch Cremes und Seren.

Mit kollagenhaltigen Cremes gegensteuern

Auch Kollagen ist maßgeblich am Zustand unserer Haut beteiligt. Das Protein ist mit rund 60 Prozent der Hauptbestandteil unseres Bindegewebes und sorgt für die Straffheit unserer Haut. Leider lässt auch die Kollagenproduktion mit den Jahren nach.

Zur Unterstützung der Straffung können Cremes verwendet werden, die die körpereigene Kollagen-Produktion anregen.

Das tun etwa Peptide, die quasi eine Verletzung der Kollagen bildenden Zellen simulieren und somit ihre Reparaturmechanismen anregen.
Eine andere Möglichkeit ist das sogenannte Medical-Needling. „Dabei werden die Selbsterneuerungs-Mechanismen der Haut auf natürlichem Weg aktiviert und die Neuproduktion von Kollagen- und Elastinfasern angeregt“, erläutert Roman Zirwen, Arzt für Ästhetische Medizin und Anti-Aging.

Nadelstiche gegen Falten

Ganz so schmerzhaft, wie es im ersten Moment klingt, ist das Medical-Needling nicht. Bei dem Verfahren setzen Mediziner auf Narbenbildung: Eine Narbe besteht aus Kollagen, allerdings bildet sich das Gewebe unregelmäßig. Anders ist es bei sogenannten Mikro-Verletzungen. Diese sind so winzig, dass danach keine Narbe entsteht.

Dennoch wird durch diese Verletzung die Bildung von neuem Kollagen angeregt, das sich gleichmäßig verteilt.
„Während der Behandlung werden zudem regenerierende Wirkstoffe, darunter auch Hyaluronsäure sowie Vitamine, von außen in die Haut geschleust, was die Wirkung verstärkt“, erklärt Zirwen.

Doch Vorsicht, die feinen Stiche sind nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Menschen, die zu Blutungen neigen oder sich innerhalb des vergangenen Jahres einer Bestrahlung unterziehen mussten, sollten von einer Behandlung absehen.

Kostenpunkt für eine solche Behandlung: Etwa 150 Euro. Doch die Wirkung hält nicht ewig an. Es wird empfohlen, den Eingriff dreimal im Abstand von zwei Monaten zu wiederholen.

Es geht auch ohne Arztbesuch

Wer nicht gleich den Fachmann aufsuchen möchte, kann übrigens auch aus eigener Kraft einiges für seine Haut tun. „Gesunde Ernährung zusammen mit ausreichend Schlaf und Verzicht auf Nikotin sind immer noch die wirksamsten Faktoren gegen frühzeitiges Altern“, weiß Uta Schlossberger.
Auch Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Zink sind heute feste Größen in der Anti-Aging-Ernährung. Das gilt auch für Polyphenole, die beispielsweise in Erdnüssen, Weintrauben oder Beeren vorkommen.

(Mit Material von dpa)