Die Ratte wohnt in der Stadt oft in der Kanalisation. Sie kommt jedoch gerne hervor, wenn es irgendwo Dönerreste gibt – also in Berlin relativ häufig. 
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BerlinWas dieses Jahr bringt, steht nicht etwa in den Sternen, sondern in den Knopfaugen des Nagetiers – jedenfalls laut chinesischem Horoskop. Grund genug, sich die Tiere mal genauer anzusehen.

1) Eins von zwölf

Bei uns hat gerade das neue Jahr angefangen, in China beginnt es erst am 25. Januar – und damit das Jahr der Ratte. Im Gegensatz zum westlichen monatlichen Rhythmus wechseln im chinesischen Horoskop zwölf Tierkreiszeichen jeweils jährlich, die Ratte läutet dabei immer einen neuen Zyklus ein.

Allen Tieren steht auch ein Element voran: 2020 wird ein Metall-Ratte-Jahr. Menschen, die im Ratten-Jahr geboren werden, sollen einfallsreich, optimistisch und voller Energie sein. Allerdings soll der Rattenmensch auch einen Hang zur Querulanz haben.

2) Ein Weibchen, 500 Nachkommen

Eine Wanderratte sucht im Müll nach Nahrung.
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Ratten sind Säugetiere aus der Gattung der Nager. Sie haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, alarmieren einander etwa, wenn Gefahr besteht. An keinem Ort der Welt gelten sie als gefährdet – was auch an ihrer effektiven Fortpflanzung liegt.

Ein Weibchen der Spezies Wanderratte kann bei Würfen mit bis zu 8 Jungen um die 500 Nachkommen hervorbringen. Und Hausratten – mit dem charmanten Gattungsnamen Rattus rattus – sind als intelligente, verspielte und saubere Haustiere sehr beliebt.

3) So viele Ratten wie Berliner

Man könnte die Ratte getrost zum neuen Berliner Stadtwappen deklarieren: Im Gegensatz zum Bären steppt sie nämlich wie wild in der Berliner Kanalisation. Gesichtet wird das Nagetier meist in den innerstädtischen Bezirken.

Es handelt sich dabei um die Gattung der Wanderratte – Rattus norvegicus –, und zwar um sehr viele Exemplare. Wie viele dieser Allesfresser in Berlin leben, weiß niemand so genau. Man geht von ein bis zwei Ratten pro Berliner aus, aber auch das bleibt Spekulation.

4) Nager mit Imageproblem

Ratten sind in unseren Gegenden chronisch unbeliebt. Das liegt auch daran, dass sie 120 unterschiedliche Krankheiten übertragen können: von Salmonellen, Leptospiren, Toxoplasmen bis hin zu Hantaviren, die das lebensbedrohliche Hämorraghische Fieber verursachen können.

In der chinesischen Kultur haben die Tiere ein gänzlich anderes Image, dort wurden sie traditionell mit Reichtum assoziiert. Im alten China wurden sie sogar angebetet: Paare mit Kinderwunsch hofften, die Fruchtbarkeit der Nager würde sich auf sie übertragen.

5) Gestatten, Rémy

Die kulinarisch begabte Wanderratte Rémy ging durch den Animationsfilm „Ratatouille“ im Jahr 2007 in die Filmgeschichte ein – und leistete ihren Beitrag zur Imageverbesserung ihrer Artgenossen. Aber auch das kommende Rattenjahr inspiriert.

Die Band Einstürzende Neubauten etwa kehrt dieses Jahr nach zwölf Jahren und zu ihrem 40-jährigen Jubiläum mit einem Studioalbum zurück. Es heißt „The Year Of The Rat“. Unter dem Motto steht auch die Konzerttour, die sie am 19. April nach Berlin führt.

6) Eine echte Plage

Am Anfang von Albert Camus’ Roman „Die Pest“ findet der Arzt Bernard Rieux eine tote Ratte, die den Beginn einer Pestepidemie ankündigt. Das Tier und seine Artgenossen sind als Botschafter zu verstehen, sie tragen den Keim der Krankheit, sie stehen für die diffuse Bedrohung der friedlichen Gesellschaftsordnung.

Gänzlich unliterarisch ist dagegen die Rattenplage in New York. Dort setzen Schädlingsbekämpfer mittlerweile Trockeneis gegen die Tiere ein – damit sie in ihren selbst gebauten Tunneln ersticken. Dass Ratten im Mittelalter in Europa die Pest übetrugen, galt lange als gesichert, inzwischen aber nicht mehr. Es könnten auch auf Menschen lebende Flöhe gewesen sein.

7) Trend zum Hamster

Zwei Besucherinnen des Tatsumizu-Schreins machen vor einer Statue einer goldenen Ratte ein Selfie.
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Jedes Rattenjahr inspiriert auch Designer. Der Porzellanhersteller Rosenthal zum Beispiel bringt einen Teller mit Rattenmotiv heraus, in den Pfötchen hält sie einen Schlüssel, auf dem Rücken hat sie goldene Flügel.

In Japan, in dem auch die chinesischen Tierkreiszeichen genutzt werden, verkauft Donut-Hersteller Krispy Kreme einen Mäuse-Donut, viele Süßigkeitenhersteller bieten Torten und Kekse im Mäuse-Look an – so genau nimmt man es anscheinend nicht, immerhin gehören beide Gattungen zur Familie der „Echten Mäuse“. Im letzten Rattenjahr 2008 stiegen die Preise für Hamster um das Sechsfache: Jeder wollte plötzlich einen als Haustier haben.