Berlin - Immer mehr Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte wollen sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Das zeigt eine Online-Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) unter 3501 Befragten. Demnach ist die Impfbereitschaft unter den medizinischen und pflegerischen Angestellten, die vor allem auf den Intensivstationen tätig sind, zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 von 65 auf 75 Prozent gestiegen.

„Die Impfbereitschaft ist insbesondere im Vergleich zur Influenza als sehr hoch einzustufen“, sagte Uwe Janssens, ehemaliger Präsident der DIVI und Initiator der beiden Umfragen. „Der Beginn der Impfung hat dazu geführt, dass die Bereitschaft noch weiter gestiegen ist.“

Viele junge Frauen sind Impfung gegenüber skeptisch

Allerdings seien junge Frauen in der Pflege einer Corona-Impfung gegenüber weiterhin skeptisch – oder würden eine Vakzinierung gar ablehnen. „Hier müssen wir mit aller Entschiedenheit und mit einer Stimme Fehlinformationen über Wirksamkeit und Entwicklung der verfügbaren Impfstoffe richtigstellen sowie Sachlichkeit in die aktuell kontrovers geführte Debatte durch präzise und transparente Information einbringen“, so Janssens weiter.

DGIIN-Präsident Christian Karagiannidis ergänzte, dass zum Teil noch Zweifel an der Sicherheit der Impfung insbesondere im Langzeitverlauf bestehe. Dieses Problem müsse in den kommenden Wochen gelöst werden, da das medizinische Personal eine Vorbildfunktion für die Bevölkerung habe. Die Impfung der 30- bis 65-Jährigen sei dabei besonders wichtig, um die pandemische Lage zu beenden.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und Co-Autor der Studie, Bernd Salzberger, hebt vor allem die Bedeutung der befragten Berufsgruppe hervor: „Gerade auf der Intensivstation tätige Ärzte und Pflegekräfte haben ein erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der Kontakte zu Covid-19-Patienten und sind insbesondere in Gebieten einer hohen Prävalenz oft asymptomatisch infiziert.“ Das könne zur Virusverbreitung in den Einrichtungen des Gesundheitswesens beitragen.

66 Prozent der Befragten bevorzugen freie Impfstoffwahl

Die aktuell polarisierend geführte Diskussion um die Wirksamkeit der zugelassenen Impfstoffe, aber auch um die Nebenwirkungen, schlägt sich nach Auffassung der Autoren auch in den Ergebnissen der Umfrage von Februar nieder: Demnach wollten sich nur 27 Prozent der Befragten mit dem britisch-schwedischen Präparat von Astrazeneca impfen lassen, 34 Prozent waren sich unsicher und 38 Prozent entschieden sich gegen eine Impfung mit dem Vakzin. Eine freie Wahl des Impfstoffes würden 66 Prozent der Befragten bevorzugen, dagegen war für 24 Prozent eine freie Impfstoffwahl unerheblich.

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer schätzten im Vergleich zur Dezember-Befragung die Impfung häufiger als wichtig zur Eindämmung der Pandemie ein. „Die Einschätzung zur Bedeutung der Impfung zeigte eine eindeutige Zunahme der Zustimmung zwischen Dezember und Februar von 85 auf 92 Prozent“, sagte der Intensivmediziner Uwe Janssens. Der offene Austausch unter den Berufsgruppen – vor allem was den Impfstoff von Astrazeneca anbelangt – sei jetzt essenziell und erhöhe neben der Transparenz der Informationen auch den gemeinsamen Wissensstand. Nur so könne die Impfbereitschaft gesteigert werden – und dadurch auch in der Bevölkerung.