Berlin - Es ist ein Wahnsinn: Schon ohne Omikron schreit die Pflege in diesem Land seit zwei Jahren um Hilfe. Die neue Virusvariante sorgt nun dafür, dass sich reihenweise Geboosterte gegenseitig anstecken, wo das am allerungünstigsten ist: in den Pflegeheimen, in den Krankenhäusern.

Zwar sorgt diese abgeschwächte Form des Virus auch dafür, dass zumindest die Covid-19-Verläufe nicht mehr so gefährlich sind wie zuvor, nicht mehr so tödlich wie Delta. Sodass die Alten, Kranken und Schutzbefohlenen nicht mehr so stark gefährdet sind. Doch für die Pflegekräfte reicht es, wenn sie sich überhaupt anstecken, auch wenn es nur ein milder Verlauf ist: Sie müssen dann in Quarantäne. Sie stehen dann nicht mehr für die Versorgung zur Verfügung. Die Pflege hat ein echtes Problem – und mit ihr die Patienten, die Angehörigen – und eigentlich auch die Politik.

Doch was tut Letztere? Einfach mal an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht festhalten. Komme, was da wolle. Sodass noch die letzten Reservekräfte aus der Pflege gedrängt werden, gar ein Berufsverbot erhalten sollen ab Mitte März. Das muss man sich mal vorstellen, mitten in einer Pandemie, mitten in einem von aktiven Helfern wahrlich nicht überbordenden Gesundheitssystem, in einem Land voller Pflegenotstand: ein Berufsverbot für Pflegekräfte!

Wer immer noch glaubt, es sei besser für die Alten und Kranken, nicht von Ungeimpften gepflegt zu werden, der hat die letzten Monate und Jahre sehr weit weg von Pflegeinrichtungen verbracht, denn er ahnt nicht: Alles ist besser, als gar nicht versorgt zu werden, wenn man lebensnotwendig auf Hilfe angewiesen ist.

Die Politik hat sich – wie zu viele Menschen in diesem Land, die sich nicht davon betroffen wähnen – schon vor Corona viel zu wenig für den Pflegenotstand interessiert. Nun tritt sie die verbliebenen Pflegekräfte nach zwei Jahren Pandemie mit Füßen. Wenn sie dem deutschen Gesundheitssystem nicht den letzten Sargnagel verpassen will, dann muss sie die einrichtungsbezogene Impfpflicht stoppen, bevor es zu spät ist. Also genau jetzt.