Kinder wachsen längst selbstverständlich in Regenbogen-Familien auf. Das Bedürfnis, eigenen Nachwuchs großzuziehen, bewegt auch schwule, lesbische oder Transpersonen. Für manche bedeutet Glück, Kinder zu adoptieren, andere wollen das Ungeborene unbedingt im eigenen Bauch spüren. Ob der Kinderwunsch erfüllbar ist oder nicht, erfahren sie von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten wie Julia Bartley. Sie leitet in Berlin eines der ältesten Kinderwunsch-Zentren Deutschlands, das nunmehr der TFP-Gruppe zugehört. „Wir sind offen für alle Menschen mit Kinderwunsch“, selbst wenn das Ergebnis der Beratung mitunter heißt: „Wir können keine Behandlung durchführen, weil die Gesetzeslage so ist.“

So könne sie etwa schwulen Pärchen keine in Deutschland legale Lösung anbieten: Das Embryonenschutzgesetz untersagt Eizellenspende und Leihmutterschaft, während Anbieter im Ausland dies bewerben. Dennoch finden LSBTI-Personen mit Kinderwunsch in Berlin Möglichkeiten vor, die fast alle anderen Bundesländer nicht bieten. Nahezu unüberwindbare Hürden errichten Verordnungen der Landesärztekammern, so Julia Bartley: „Lesbische Frauen, Solo-Frauen haben dadurch keine Möglichkeiten, sich behandeln zu lassen.“ Solche Einschränkungen fehlen allerdings in Berlin und Bayern. Hieraus erwächst Medizinerinnen und Medizinern zunächst ein Risiko: „Wir sind rechtlich nicht abgesichert“, erklärt Bartley. Doch die Gesetzeslücke ermögliche, auch lesbischen Frauen eine Samenspende anzubieten.

Paulus Ponizak/Berliner Zeitung
Kolumnistin Joane Studnik

Das Embryonenschutzgesetzes von 1990 regelt, dass nicht alles, was medizinisch möglich ist, gemacht werden darf. „Wir haben in der Reproduktionsmedizin zu wenig und sehr spät an die Kinder gedacht“, räumt Bartley ein. So sollten Kinder irgendwann wissen, wer ihr genetischer Vater ist, das habe man aus der Initiative Betroffener gelernt. Um sich auf eine Konfrontation der Kinder mit der Wahrheit vorzubereiten, empfiehlt sie Eltern eine psychosoziale Beratung durch Fachkräfte, die dem Beratungsnetzwerk BKiD angeschlossen sind.

Im Prinzip stehen dem Kinderwunsch keine finanziellen Hürden im Weg: „Die Beratung zum Kinderwunsch ist eine Kassenleistung. Im Rahmen dessen kann auch eine gewisse Basis-Diagnostik erfolgen“, so Bartley. Doch dann stellen sich die Krankenkassen oft quer: Eine Samenspende bei einer fruchtbaren Frau wird nicht als Heilbehandlung anerkannt. Die Folge: Zusätzlich zu den Behandlungskosten schlägt die Mehrwertsteuer mit 19 Prozent zu Buche. Julia Bartley hofft auf ein Reformversprechen der Ampel-Regierung: „Es ist zu erwarten, dass diese Ungleichbehandlung zumindest für lesbische Frauen aufgehoben werden soll.“

Auch Transpersonen rät sie, eine Kinderwunsch-Beratung über ihre Optionen wahrzunehmen – vor einer geschlechtsangleichenden Operation. Erste Uterus-Transplantationen an Frauen ohne funktionierende Gebärmutter wecken auch bei Transfrauen Hoffnungen, selbst schwanger werden zu können. Zu den erheblichen OP-Risiken kämen allerdings anatomische und weitere Risikofaktoren hinzu. „Uterus-Transplantationen nach einer geschlechtsangleichenden Operation halte ich für keine im Moment realistisch umsetzbare Lösung“, so Bartley, die aus feministischer Sicht ablehnt, Frau-Sein auf die Schwangerschaft zu reduzieren: „Muss ich als Frau ein Kind austragen, um mich als Frau vollwertig fühlen zu können? Gibt es nicht andere Lösungen, auch wenn es da Einschränkungen gibt, mit seinem Leben zufrieden zu leben?“