BerlinDie Nachricht ging im Mai bundesweit durch die Medien: Nach einem Gottesdienst in einer Baptistengemeinde in Frankfurt war es zu einer massenhaften Verbreitung des Coronavirus gekommen. Mehr als 200 Gläubige aus sieben Landkreisen hatten sich infiziert – wohl weil sie keinen Mund-Nasen-Schutz getragen und während der Feier gesungen hatten.

Oder die muslimische Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd, wo sich Mitte Juli rund 100 Menschen in einer Moschee ansteckten: Religiöse Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen, Synagogen, können dazu führen, dass die Infektionszahlen steigen. Das Hauptproblem stellt – wie in den meisten Bereichen des alltäglichen Lebens - die Masse der Menschen dar. Man steht oder sitzt lange beieinander, die wenigsten Gotteshäuser haben eine Klimaanlage oder Fenster, die einfach zu öffnen sind. Dadurch fehlt der immens wichtige Luftaustausch.

Das gemeinsame Singen oder Beten kann zudem die Virusausscheidung und damit auch die Virusaufnahme verstärken. Eine Studie, die in "Nature" veröffentlich wurde, belegt, dass je lauter ein Mensch singt oder spricht, desto mehr mikroskopische Tröpfchen schleudert oder pustet er mit der Atemluft heraus. Es gibt sogar ganz bestimmte Vokale, bei denen besonders viele Aerosole entstehen. So ist das „I“ offenbar gefährlicher als das „A“. Das zumindest legt eine Studie nahe, die Anfang des Jahres in „Plos One“ veröffentlicht wurde.

So kann es dazu kommen, dass sich religiöse Veranstaltungen zu sogenannten Superspreading-Events entwickeln, bei denen ein Infizierter bei einem Ereignis viele Menschen ansteckt, teils ohne selbst Symptome zu haben. Ohne Schutzmaßnahmen sind derartige Veranstaltung also eher gefährliche Orte für die Virusverbreitung, wie gut entsprechende Konzepte greifen, lässt sich bislang nicht beziffern.

Generell gilt:

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.