Dichte Rauchwolken steigen über einem Wald auf, in dem ein Wildfeuer wütet.
Foto: dpa/Glen Morey

CanberraDie seit einigen Wochen in Australien tobenden Brände gehören zu den heftigsten seit langem. Sie werden durch anhaltende Dürre und starke Winde immer weiter angefacht. Verheerend wirkt dabei auch, dass durch die Hitze des Feuers ein seltenes, aber gefährliches Wetterphänomen entsteht.

Meteorologen sprechen von Pyrocumulonimbus-Wolken. Treten diese einmal auf, können Brände unbeherrschbar werden. Wie das australische Victoria Bureau of Meteorology kurz nach dem Jahreswechsel mitteilte, seien in der Region von East Gippsland Pyrocumulonimbus-Wolken in eine Höhe von mehr als 16 Kilometern gewachsen. „Diese feuerinduzierten Stürme können durch Blitze, Glut und die Erzeugung hoher Windgeschwindigkeiten Brände ausbreiten“, teilten die Meteorologen mit.

Glut und Asche verteilt sich über den Kontinent

Feuerwolken entstehen dadurch, dass die ansteigende Hitze der Brände einen starken lokalen Aufwind erzeugt. Die sich auftürmende grau-braune Wolke kann Glut und Asche über eine Fläche verteilen, die weit über die aktuellen Brandregionen hinausreicht.

Durch das Ansaugen der Luft entstehen heftige Turbulenzen. Es kommt zu Fallböen, wie sie bei heftigen Gewittern auftreten. Diese können die Feuer am Boden noch mehr anfachen und weiter verbreiten. Feuerwehrleute berichten, dass sie dann oft nichts mehr tun könnten, als sich selbst in Sicherheit zu bringen. Der Sturm erreiche Geschwindigkeiten von bis zu 60 Metern in der Sekunde.   Und die Hitze werde unerträglich.

Daten zu den Bränden in Australien.
Foto: afp

Der katalanische Feuerwolken-Experte Marc Castellnou rechnete auf  Spiegel Online vor, dass ein Feuerwehrmann einen Waldbrand gerade noch ohne Gefahr für das eigene Leben löschen könne, wenn die Wärmeleistung der Feuerfront bis zu 10.000 Kilowatt pro Meter betrage. Fache eine Feuerwolke das Feuer an, steige die Hitze leicht auf 60.000 bis 90.000 Kilowatt pro Meter. Solch ein Feuer könne man nicht bekämpfen. Australische Feuerwehrleute werden geschult, auf Warnhinweise zu achten, etwa darauf, ob der Rauch eines Feuers mehr als fünf Kilometer hoch in die Atmosphäre steigt.

Blitze erzeugen weitere Brände

Pyrocumulonimbus-Wolken erzeugen auch Blitze, die weitere Feuer entzünden können. Im Mai 2016 soll eine Feuerwolke in der kanadischen Provinz Alberta einen Brand sogar noch in 35 Kilometern Entfernung von den ursprünglichen Bränden ausgelöst haben. Forscher warnen davor, dass „feuerinduzierte Stürme“ künftig häufiger entstehen könnten, und zwar überall auf der Welt. Berichte über Feuerwolken gibt es unter anderem aus Bolivien, den USA und Russland. In Australien töteten im Februar 2009 drei Pyrocumulonimbus-Wolken insgesamt 173 Menschen.

Auch Mittel- und Nordeuropa sehen Experten in Gefahr. Man kenne Feuerwolken bereits aus Spanien und Portugal, sagte Marc Castellnou. Aber es habe auch bereits einen Fall in Schweden gegeben. Die Ursache für die wachsenden Gefahren sieht der Feuerwolken-Experte in trockenen Wäldern am Boden und einer turbulenter werdenden Atmosphäre. Ein Feuer brauche damit weniger Energie, um eine Feuerwolke zu bilden.