Berlin - Deutsche Intensivmediziner appellieren an die Politik, unverzüglich zu handeln. Die Bundesländer müssten einen einheitlichen Weg einschlagen und den sofortigen Lockdown ausrufen, heißt es in einer am Freitag veröffentlichen Pressemitteilung. „Jeder weitere Tag ohne durchgreifende und nachhaltige Lockdown-Maßnahmen kostet Menschenleben“, wird der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, zitiert.

„Wenn wir die kommenden zwei Wochen jeden Tag im Schnitt 30.000 Neuinfektion haben, verzeichnen wir an Weihnachten etwa 420.000 Corona-Infizierte. Die sich daraus ableitenden Zahlen an Krankenhauspatienten und schwerst erkrankten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen, wird dann nicht mehr adäquat zu behandeln sein“, so Janssens weiter. Die Krankenhäuser würden durch dieses Vorgehen gezwungen, in absehbarer Zeit die Behandlung der Patienten priorisieren zu müssen.

Bereits jetzt müssten sich einzelne Kliniken in Deutschland von der Notfallversorgung abmelden. Dadurch ergeben sich teilweise lange Transportzeiten für Notfallpatienten. Dringend notwendige Operationen, zum Beispiel bei Krebserkrankungen oder Herzerkrankungen, könnten in einigen Versorgungsgebieten schon jetzt nicht mehr zeitnah durchgeführt werden.

Der designierte Präsident der DIVI, Gernot Marx, pflichtet Janssens bei: „Es genügt der Blick nach Belgien, Frankreich, Irland, um zu erkennen, dass harte Lockdown-Maßnahmen tatsächlich in der Lage sind, die hohen Infektionszahlen zu beherrschen.“ Diese Erkenntnisse müssten genügen, um nach Wochen des Zögerns durchgreifend das Virus zu bekämpfen.

„Die Belastungen auf den Intensivstationen haben ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr lange von Pflegern und Ärzten gestemmt werden kann“, sagt Janssens. „Wir befürchten einen körperlichen und psychischen Kollaps der Mitarbeiter.“ Die Mediziner wenden sich daher mit der dringenden Bitte an alle Bundesländer, ein konsequentes, gemeinsames Handeln anzustreben und den Lockdown auszurufen. Daran führe kein Weg vorbei.

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