Berlin - Nach den ersten vorsichtigen Lockerungen ist die Zahl der Corona-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen wieder angestiegen. Mehr als 3100 Betten sind nach Angaben von Gernot Marx, Präsident der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), aktuell belegt. „So starten wir in die dritte Welle auf dem Niveau des Hochpunktes der einst ersten – und das macht uns trotz aller Erfahrung nach einem Jahr Pandemie als Intensivmediziner schon große Sorgen“, sagte er.

Noch gäbe es keine belastbaren Zahlen, dass schwer erkrankte Covid-Patientinnen und -Patienten immer jünger werden. Der Altersdurchschnitt mit 68 Jahren sei in der ersten und der zweiten Welle gleich gewesen. Mehr als 75 Prozent der Intensivpatienten seien derzeit unter 80 Jahre alt – also noch nicht durch Impfungen geschützt. „Und aus der zweiten Welle wissen wir: Die Überlebenschance der 60-Jährigen ist deutlich besser als die der 70-Jährigen“, so Marx weiter.

Das Alter sei weiterhin einer der größten Risikofaktoren, an Corona zu versterben. „Für die dritte Welle erwarten wir aber einen deutlich jüngeren Altersdurchschnitt, da die 80-Jährigen zum Großteil geimpft sind. Die werden wir nicht mehr auf den Intensivstationen sehen, die sind durch die Impfung vor schweren Verläufen geschützt.“

Divi begrüßt aktuelle Corona-Maßnahmen

Die Divi begrüßt die von Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. „Die Politik hat erkannt, dass wir in einer schwierigen Phase der Pandemie sind und die Impferfolge nicht gefährden dürfen“, sagte der Intensivmediziner. Die einzelnen Entscheidungen seien hart, aber wichtig. „Nur so können wir das derzeitige exponentielle Wachstum der Inzidenzen wieder verlangsamen – und auch nur so sehen wir Intensivmediziner in einigen Wochen wieder weniger Patienten auf den Intensivstationen.“

Wichtig seien Perspektiven für die nächsten Monate etwa in Bezug auf Tests, Impftermine und mögliche Lockerungen bis Sommer. „Wer diese kennt, ist auch heute bereit, sich an Regeln zu halten, um dieses große Ziel von mehr Bewegungsfreiheit nicht zu verspielen“, sagte Marx. „Wer als Familie bereit ist, sich über Ostern nicht zu treffen, weil der Glaube an das Treffen im Garten im Juni realistisch erscheint, der hilft auch sehr schwere Verläufe auf den Intensivstationen zu vermeiden. Und mehr wollen wir nicht.“ Corona-Patienten seien wahrscheinlich gezeichnet fürs Leben, viele Erkrankte seien auch nach ihrer Entlassung nicht genesen. Daher müsse ihre Zahl so gering wie möglich bleiben.