Ein Schwerkranker wird betreut.
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Viele Patienten und ihre Familien zittern vor einer Gesetzesreform, die der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) durch den Bundestag bringen will: das sogenannte IPReG (Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz). Es besagt unter anderem, dass Intensivpatienten künftig stationär oder im Heim behandelt werden sollen, anstatt zuhause.

Man muss es so deutlich sagen: Es ist ein Zwang, den Jens Spahn auszuüben plant. Die meisten Befragten wollen nicht ins Heim. Sie möchten in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, bei ihren Angehörigen.

Als Intensivpatienten gelten Schwerstpflegebedürftige, die beatmet werden müssen. Wer genau von den deutschlandweit 19.000 Betroffenen zuhause bleiben darf und wer in Heim oder Klinik muss, darüber sollen demnächst die Krankenkassen entscheiden.

Wie bitte? Jetzt sollen also die Kostenträger diese moralisch und ethisch schwerwiegende Entscheidung treffen, die durchaus auch mal über Leben und Tod entscheiden kann, angesichts des permanenten Pflegenotstandes in Heimen. Hat nicht der Patient ein Wörtchen mitzureden über seinen Wohnort? Es gab auch unter Kranken mal so etwas wie Selbstbestimmung.

60 Prozent der Covid-Toten in Heimen

Es sind die Allerschwächsten der Gesellschaft, die Spahn gerade anvisiert, noch schwächer als Kinder und Alte. Viele können sich nicht mal mehr äußern oder zum Protest das Haus verlassen. Hinzu kommt Corona. Und das ist der entscheidende Punkt.

Nur ein Prozent der Bevölkerung lebt in Heimen, doch dort wütete das Virus am schlimmsten. Bis zu 60 Prozent der Covid-Toten stammen aus Senioren-Einrichtungen. Eine noch stärker als alle anderen gefährdete Gruppe sind aber die Intensivpatienten. Ausgerechnet die sollen nun auch noch in die Heime?

Das wäre schon vor der Pandemie gefährlich gewesen, weil es dort viel zu wenige und zu wenig qualifizierte Pfleger gibt. Jetzt aber, mit Corona, ist es unverantwortlich.