Lübeck/Berlin - Brauche ich eine dritte Impfung wirklich, oder reicht die Abwehrkraft der bisherigen Impfungen noch aus? Wer sich diese Frage stellt, denkt vielleicht über einen Antikörpertest nach, um eine Entscheidung für oder gegen den Booster zu treffen. Doch Fachleute halten das nur bedingt für sinnvoll. Warum?

Was bringt eine Auffrischungsimpfung?

Sie stärkt das Immunsystem nochmals gegen Sars-CoV-2. Daher kommt die Bezeichnung Booster, also Verstärker. Eigentlich sei der Begriff Auffrischung nicht ganz korrekt, schreibt der Immunologe Carsten Watzl auf Twitter. Dadurch scheine es, dass mit der Impfung etwas wieder hergestellt wird, das verloren gegangen sei. Doch mit dem Booster stelle man nicht nur den Zustand nach der zweiten Impfung wieder her: Die Immunität sei nach dem Booster besser als nach der zweiten Impfung. Das mache auch Sinn, so der Experte. Denn jedes Mal, wenn das Immunsystem mit dem Erreger oder dem Impfstoff in Kontakt komme, könne die Immunität stärker, besser und dauerhafter werden.

Sollte man vor dem Booster einen Antikörpertest machen?

Der Hintergedanke erscheint sinnvoll: Wissen, wie hoch der durch die bisherigen Corona-Impfungen aufgebaute Immunschutz ist. Um so abschätzen zu können, ob die Auffrischungsimpfung notwendig oder (noch) verzichtbar ist.

Hier könnten Antikörpertests Klarheit schaffen, sagt Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte. Diese kosten in der Regel um die 25 Euro. Er stellt aber auch klar: Es mache keinen Sinn, diese Tests pauschal zu empfehlen. Wer allerdings etwa anfällig für Infekte oder allgemein immungeschwächt ist, dem gibt so ein Test womöglich eine wichtige Info dazu, wie gut die Impfungen angeschlagen haben.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist es nicht empfohlen, vor der Auffrischungsimpfung einen Antikörpertest zu machen. Ein Grund sei, dass man noch gar nicht genau wisse, ab welchem Antikörperwert man von einem ausreichenden Schutz ausgehen könne.

Was sagt das Ergebnis eines Antikörpertests aus?

Bei einem Antikörpertest werden Bobrowski zufolge in der Regel die sogenannten Anti-Spike-Antikörper (IgG) geprüft, die sich in Folge der Impfung bilden. Wichtig ist, dass so ein Test aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse ergibt. Das geschieht mit einem Standard der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der in BAU/ml angegeben wird (BAU = Binding Antibody Units).

Sichere Grenzwerte, ab welchem BAU/ml-Wert man noch als geschützt gilt, gibt es aber noch nicht. Die Frage, ob man vor der Booster-Impfung die Antikörper bestimmen müsse, beantwortet Immunologe Watzl wie das RKI: „Nein.“

Gibt es denn Schätzungen zu den Grenzwerten?

Ja, das schon. Mit Blick auf Daten seines Labors und unter anderem aus Israel sagt etwa Bobrowski: Unter einem Wert von 21,8 BAU/ml sei kein messbarer Schutz durch Anti-Spike-Antikörper gegeben. Darüber folge jedoch ein großer Graubereich, von dem man noch nicht so richtig wisse, ab wann der Schutz ausreichend gut ist.

„Nach meiner Einschätzung ist ein Wert von 500 so hoch, dass man nicht sofort eine Drittimpfung benötigt“, so der Laborarzt. Bei allem über 1000 BAU/ml könne man von einem guten Schutz sprechen. Das deckt sich mit dem, was Carsten Watzl zum Thema schreibt: „Antikörperwerte über 1000 BAU/ml scheinen mit recht gutem Schutz vor symptomatischer Infektion zu korrelieren.“ Korrelieren meint: in Beziehung stehen.

Ist es schlimm, wenn man trotz hohem Antikörperspiegel auffrischt?

Nein, stellt das RKI klar. Doch „fälschlicherweise“ nähmen viele Menschen an, dass bei einem hohen Antikörperspiegel im Körper durch die Grundimmunisierung keine Auffrischung verabreicht werden sollte. Auch bei noch bestehender Immunität gebe es fünf bis sechs Monate nach der Zweitimpfung aber keine Sicherheitsbedenken mit Blick auf die Auffrischung. Der Schutz werde nur noch besser.

Und wenn die Werte des Tests sehr niedrig sind?

Bei der Diskussion um diese Grenzwerte gehe es um einen Schutz vor der symptomatischen Infektion, schreibt Immunologe Watzl. „Der Schutz vor schwerer Erkrankung kann immer noch hoch sein.“ Deshalb sein Rat: Keine Panik bei geringen Antikörperwerten, aber besser einen Booster-Termin vereinbaren.