Nara - Japans alte Kaiserstadt Nara liegt im Süden der Hauptinsel Honshū, eine moderne Metropole, die nicht zuletzt auch wegen des Nara-Parks eine beliebtes Reiseziel für Touristen ist, allein schon wegen der Kirschblüte im Frühling und der dort lebenden Sikahirsche. Der Betrieb läuft inmitten der Corona-Pandemie allerdings nur eingeschränkt. Umso größer war hier die Freude, als das erste Hirschkalb des Jahres geboren wurde. Endlich mal eine gute Nachricht, so verkündete es ein Sprecher der „Nara Deer Preservation Foundation“ am Montag.

Auch in Deutschland gibt es freilebende Sikahirsche

Demnach soll das rund 3800 Gramm schwere und 60 Zentimeter große Neugeborene dem Publikum vom 1. bis zum 30. Juni in einem Gehege gezeigt und Ende Juli mit anderen Hirschen in den Nara-Park freigelassen werden. Man sei erleichtert, dass ein gesundes Kalb zur Welt gekommen sei, hieß es. Angesichts der angespannten Corona-Lage hoffe man, dass die Parkbesucher beim Anblick des kleinen Weibchens Freude verspüren. Jedes Jahr kommen im Nara-Park zwischen Mai und Juni rund 200 Kälber zur Welt.

dpa/kyodo
Defilee für die Presse: Das Sikakalb im Paradegalopp am Montag.

Im vergangenen Jahr zählte die örtliche Schutzorganisation insgesamt 1286 Sikahirsche (Cervus nippon) im Park. Sie sind als lebende Nationalschätze gesetzlich geschützt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion werden sie als „nicht gefährdet“ (least concern) geführt, obwohl sie mit Ausnahme Japans in ihrem natürlichen Verbreitungsgebieten eher bedroht sind. Denn ursprünglich bevölkerten Sikahirsche den Ostteil der Volksrepublik China, Südost-Sibirien, Korea, Taiwan und den Norden Vietnams.

Durch den Menschen sind die anpassungsfähigen Sikahirsche allerdings in vielen Gegenden der Welt eingeführt worden. In Neuseeland etwa ließ man sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts frei. Die Stirnwaffenträger vermehrten sich schnell, wegen ihrer sehr große Geweihe boten sie Jägern imposante Trophäen. Neben Australien, der Mongolei, Marokko oder Texas haben sich aus entflohenen oder ausgesetzten Tieren auch in Deutschland wild lebende Populationen gebildet. (mit dpa)