New York - Die Corona-Pandemie hat dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge auch die psychische Gesundheit von jungen Menschen beeinträchtigt. Eine Umfrage in 21 Ländern, darunter Deutschland, ergab demnach, dass sich jeder Fünfte im Alter zwischen 15 und 24 Jahren „häufig depressiv fühlt oder wenig Interesse daran hat, Dinge zu tun“. Das geht aus einem Unicef-Bericht hervor, für den Kinder und junge Erwachsene in 21 Ländern befragt wurden.

Die Organisation stellt dabei einen direkten Bezug zu den Auswirkungen der Pandemie her: „Nach den neuesten verfügbaren Daten von Unicef ist weltweit mindestens eines von sieben Kindern direkt von Lockdowns betroffen, während mehr als 1,6 Milliarden Kinder einen gewissen Bildungsverlust erlitten haben“. Die Unterbrechung von Routinen, Bildung und Erholung sowie Sorge um das Familieneinkommen und die Gesundheit hinterlasse bei vielen jungen Menschen Angst, Wut und Sorge um ihre Zukunft.

Telefonseelsorge

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen oder Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter telefonseelsorge.de.

UN-Angaben zufolge lebt jeder siebte junge Mensch zwischen zehn und 19 Jahren mit einer diagnostizierten psychischen Beeinträchtigung oder Störung. Das entspreche 80 Millionen Jugendlichen zwischen 10 bis 14 Jahren und 86 Millionen Heranwachsenden im Alter von 15 bis 19. Suizid sei in der Altersgruppe zwischen 15 und 19 die vierthäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen, Tuberkulose und Gewalttaten – wie viele der Selbsttötungen von psychischen Erkrankungen herrühren, geht aus den UN-Angaben nicht hervor.

„Es waren lange, lange 18 Monate für uns alle – insbesondere für Kinder“, so Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore laut Mitteilung. Wegen der landesweiten Lockdowns und den pandemiebedingten Einschränkungen hätten Kinder prägende Abschnitte ihres Lebens ohne ihre Angehörigen, Freunde, Klassenzimmer und Spielmöglichkeiten verbracht – Schlüsselelemente einer jeden Kindheit. „Die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche sind gravierend. Gleichzeitig sind sie nur die Spitze des Eisbergs, denn bereits vor der Pandemie litten viel zu viele Kinder an psychischen Belastungen, die unberücksichtigt blieben“, sagte Fore weiter.

Was hilft und was schadet der psychischen Gesundheit?

Laut dem Unicef-Bericht beeinflusst das Zusammenspiel verschiedener Faktoren die mentale Gesundheit von Kindern. Dazu würden genetische Faktoren, Erfahrungen in der frühen Kindheit, der Umgang und die Erziehung in der Familie oder Erfahrungen in der Schule zählen. Belastungen durch Gewalt oder Missbrauch, Diskriminierung, Armut, humanitäre Krisen und gesundheitliche Notlagen wie die Corona-Pandemie wirken sich nach Angaben der Unicef dagegen stark auf die psychische Gesundheit aus.

Was sind Schutzfaktoren? Unicef zählt unter anderem eine liebevolle Bezugspersonen, ein sicheres schulisches Umfeld und positive Beziehungen zu Gleichaltrigen auf. Sie tragen dazu bei, das Risiko psychischer Beeinträchtigungen und Störungen zu verringern. Allerdings erschweren Vorurteile und Stigmatisierung sowie mangelnde Finanzierung von Hilfsangeboten, dass Kinder und Jugendliche die Förderung und Unterstützung erhalten, die sie benötigen.

Regierungen würden nicht ausreichend in die psychische Gesundheit investieren, um dem großen Hilfebedarf gerecht zu werden. Auch dem Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und dem späteren Lebensverlauf würde nicht genügend Bedeutung beigemessen. Dabei sei eine gute psychische Gesundheit entscheidend dafür, dass Kinder ihre Potenziale verwirklichen können.

In dem Bericht hebt Unicef auch die wirtschaftlichen Nachteile psychischer Erkrankungen hervor. So habe die London School of Economics geschätzt, dass in Volkswirtschaften aufgrund von psychischen Störungen, die bei jungen Menschen zu Behinderungen oder zum Tod führen, Schäden von fast 390 Milliarden US-Dollar pro Jahr entstehen.