Illustration: Paul Paetzel

BerlinEs gibt Zahlen, die sind immer wieder eindrucksvoll, weil sie die Dinge in ein verblüffendes Verhältnis rücken. Zum Beispiel diese: Denkt man sich die 4,6 Milliarden Jahre lange Erdgeschichte als Tag von 24 Stunden, taucht der Mensch erst in den letzten drei Sekunden auf. Und wiederum in den letzten Millisekunden – vor etwa 200 Jahren – beginnt er, die Techniken zu entwickeln, die ein erstaunliches Maß an Fortschritt und Komfort gebracht, dabei aber unschöne Nebenwirkungen haben: Sie sorgen dafür, dass sich die Erde erwärmt, dass die Luft verschmutzt, die Meere sterben, die Böden ausgelaugt sind, Tier- und Pflanzenarten für immer verschwinden – was am Ende auch für den Menschen fatal ist. Denn das bedeutet, dass der Planet bald nicht mehr in der Lage sein wird, die Ökosystemleistung zu liefern, die wir zum Leben brauchen.

Wenigstens hat es der Mensch geschafft ­zu merken, dass da etwas schiefläuft. Zumindest theoretisch herrscht inzwischen weitgehend Einigkeit darüber, dass sich etwas ändern muss. Klug ist er ja, sonst wäre er nicht von einem weiteren Säugetier zur bestimmenden Kraft auf dem Planeten geworden. Es mangelt unserer Spezies nicht an Visionen, Erfindungsgeist und Ehrgeiz, sondern eher an anderen Eigenschaften: Voraussicht, auch Demut.

Dass unsere biologische Ausstattung nicht ideal ist, um einer ungeheuerlichen Erkenntnis – wir berauben uns unserer eigenen Lebensgrundlagen - Taten folgen zu lassen, ist ein eigenes, spannendes, mitunter erschreckendes Thema. Ein anderes ist, dass wir aus der ökologischen Krise nur herauskommen, wenn wir als Gesellschaft an unserem Selbstbild etwas ändern. Wenn wir uns als Teil der Natur verstehen, anstatt sie beherrschen zu wollen und in Bezug auf unseren Lebensstil eine Frage stellen, die vor ein paar Jahren der Titel eines viel beachteten Buches war: „Wie viel ist genug?“.

 
Jetzt aber

Wie ein Miteinander von Mensch und Planet doch noch gelingen kann. Ein Wissenschafts-Dossier. 

Teil 1: Wir müssen nur wollen
Teil 2: Essend dem Planeten helfen
Teil 3: Der Wald von morgen
Teil 4: Wie werden wir morgen wohnen?
Teil 5: So werden wir künftig mobil sein
Teil 6: „Wir sollten das ohne Sintflut schaffen“

Diese Aspekte werden wir in der Serie „Jetzt aber“, die mit dieser Folge beginnt, auch immer wieder streifen. Vor allem aber wird es darum gehen zu zeigen, wie jener menschliche Erfindungsgeist und Ideenreichtum uns den Weg in eine Zukunft weisen, in der der Mensch nicht mehr auf Kosten der Natur lebt. Es braucht eine solche positive Erzählung, auch das eine wissenschaftliche Erkenntnis. Denn das Katastrophen-Narrativ, wie es die Literaturprofessorin Gabriele Dürbeck nennt, also das vom Menschen als Zerstörer, der Polkappen schmelzen, Permafrost tauen und Pazifikinseln versinken lässt, führt auf Dauer eher zu Lähmung und Verdrängung als zur Frage, wie wir da wieder herauskommen.

Dabei ist es gar nicht so schwer, konkrete, ziemlich optimistische Antworten zu finden. Es gibt schon jede Menge. Auch, weil bereits ziemlich lange klar ist, dass Komfort und Wohlstand insbesondere der westlichen Gesellschaften mit der Verbrennung fossiler Rohstoffe auf einem fragwürdigen Fundament stehen.

Der Erde zu entnehmen, was sich über Jahrmillionen in ihr abgelagert hat, Pflanzen- und Tierreste, zu Kohle gepresst oder zu Erdöl zersetzt, wirkt bei nüchterner Betrachtung sowieso nicht besonders zukunftsträchtig. Die erste Bestandsaufnahme der Lage, der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome von 1972, warnte dann auch, dass diese Ressourcen endlich seien und man deshalb umsteuern müsse. Dass die Kohle- und Ölvorräte irgendwann zu Ende gehen, ist allerdings gar nicht das Problem, es ist dringlicher: Was noch da ist, muss in der Erde bleiben.

Der Zusammenhang zwischen der Verbrennung fossiler Ressourcen und der für Klima folgenreichen Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist ebenfalls schon ziemlich lange bekannt. Doch die Geschichte der Erkenntnis ist auch eine der verspielten Chancen, wie das Beispiel der USA zeigt. Schon 1959 wies ein amerikanischer Physiker Führungskräfte der Ölbranche auf die Folgen ihres Tuns für das Klima hin. 1979 ließ US-Präsident Jimmy Carter eine Solaranlage auf dem Weißen Haus installieren und verkündete, die USA auf den Weg der erneuerbaren Energien bringen zu wollen. Wie im darauf folgenden Jahrzehnt auf Konferenzen und in politischen Hinterzimmern diskutiert und gerungen wurde und es beinahe zu einem bindenden Rahmenvertrag gekommen wäre, der die CO2-Emissionen deutlich begrenzt hätte, hat der Journalist Nathaniel Rich in seinem Buch „Losing Earth“ akribisch rekonstruiert. Am Ende setzte sich die Erdöl-Lobby durch und so wurde 1989 das Jahr, in dem die USA, und in der Folge die Welt, den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen verpasste.

Es folgten Jahrzehnte der Versäumnisse. Während auf immer neuen Klimakonferenzen darüber diskutiert wurde, welche Senkung der CO2-Emissionen machbar wäre, stiegen diese weiter. Inzwischen sind sogar die nicht sehr ehrgeizigen Ziele des Klimavertrags von Paris – den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern – nicht mehr zu erreichen.

Gewachsen ist aber auch das Wissen über die Erde und die biophysikalischen Prozesse, die sie beeinflussen und in den vergangenen fast 12.000 Jahren, mit dem Beginn des Holozän, zu dem stabilen System gemacht haben, in dem sich unsere Zivilisation entwickeln konnte. 2009 stellte der Ökosystemforscher Johan Rockström, heute Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, eine inzwischen wegweisende Studie vor, in der die Belastungsgrenzen des Erdsystems definiert werden. Klimawandel, Artensterben, Versauerung der Meere, jeder kritische Bereich hat einen eigenen Grenzwert. Das Konzept klingt einmal mehr ernüchternd - vor allem, wenn man weiß, dass einige dieser planetaren Grenzen schon überschritten sind. Positiv ausgedrückt ist es aber ein Leitfaden dafür, was wir von nun an tun müssen.

Der Mensch hat sich nicht dafür entschieden, den Planeten an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu bringen. Es ist ihm, angetrieben von der Aussicht auf Wohlstand und Wachstum, einfach so passiert. Jetzt müssen wir uns dafür entscheiden, diese Grenzen einzuhalten. In dieser Serie geht es darum, wie das gelingen kann. Welche Projekte, Ideen und Forschungen es schon gibt, die die nötige Revolution, denn nichts weniger ist es, in Gang bringen. Wie wir uns ernähren, fortbewegen, wohnen, Dinge kaufen und verbrauchen, wie wir Energie gewinnen und mit der Natur umgehen – alles muss anders werden.

Wir werden in der Serie nachfragen, wie sich Nahrungsmittelproduktion und Essgewohnheiten ändern müssen, damit zehn Milliarden Menschen ernährt werden können, ohne dem Planeten zu schaden. Wir werden einen neu wachsenden Wald besuchen, der zum Forschungsprojekt geworden ist, weil er gegen die zu erwartenden Dürren der Zukunft besser gewappnet ist als andere. Wir werden berichten, ob man Korallenriffe wieder zum Leben erwecken kann und warum Wasserstoff als wichtige Energie-Speichertechnik von morgen gilt.

Es geht dabei nicht um eine neue Fortschrittsgläubigkeit. Nicht alle Lösungen, die Wissenschaft und Technologie hervorbringen, sind auch welche. Geoengineering zum Beispiel, also Techniken, die zum Beispiel die Atmosphäre so verändern sollen, dass die Erde sich wieder abkühlt, brächte weitere unkalkulierbare Eingriffe ins Erdsystem.

Es wird auch nicht nur mithilfe von Wissenschaft und Technik gehen. Wir werden unser Verhältnis zu Konsum und Materialismus überdenken müssen. Und uns an die Erkenntnis erinnern, dass es ab einem bestimmten, überraschend niedrigen Wohlstandsniveau keine Korrelation mehr gibt zwischen Besitz und Glück.

Aber das haben die nächsten Generationen vielleicht sowieso verstanden. Vielleicht steckt eine gewisse Folgerichtigkeit darin, dass erst die jungen „Fridays for Future“-Demonstranten das ökologische Gewissen der Welt wachrüttelten und dann die Pandemie kam. Plötzlich passierte Unerhörtes: Flugzeuge flogen nicht mehr, Fabriken standen still, Autos blieben in den Garagen. Konzepte wurden erdacht, um die wirtschaftlichen Folgen dieser nie dagewesenen Situation in den Griff zu bekommen.

Wissenschaftler nennen die Fakten und die Politiker handeln danach: Mit einem Mal ging das. Wenn nun wieder Raum ist, um sich neben der einen Krise auch der anderen, noch größeren, zuzuwenden, ist da eine neue Gewissheit: Handeln ist möglich. Man muss es nur wollen.


Was sich ändern muss

Anders essen: Fast acht Milliarden Menschen gilt es zurzeit satt zu machen, im Jahr 2050 werden es wohl zehn Milliarden sein. Doch wie viel gibt die Erde überhaupt her – und wie viel hält sie aus, ohne Schaden zu nehmen? Seit geraumer Zeit beschäftigen sich Wissenschaftler mit diesen wichtigen Fragen. Sie haben gerechnet, simuliert und Modelle erstellt. In der Theorie steht seit kurzem fest: Es kann gehen. Die Landwirtschaft ließe sich so umgestalten, dass zehn Milliarden Menschen ausreichend und ausgewogen essen können, ohne dass der Planet Schaden nimmt. In der Praxis bedeutet das: Transformation – und zwar schleunigst. Denn eine Tier- und Pflanzenproduktion, für die Wälder gerodet, Böden überdüngt, Wasser verschwendet, die Umwelt verschmutzt, die Atmosphäre aufgeheizt und Arten ausgerottet werden, darf nicht länger sein. Clevere Bewässerungs- und Bodenbearbeitungskonzepte können dabei helfen, aber auch neue Anbauformen wie urbane Waldgärten und Vertical Farming – also Pflanzenbau in mehreren Etagen übereinander. Doch damit allein ist es nicht getan. Auch das Verhalten der Menschen muss sich ändern. Die Devise: weniger Fleisch und andere tierisches Produkte essen und weniger Nahrungsmittel verschwenden. Zum Glück hat die Suche nach alternativen Proteinquellen schon begonnen. Hülsenfrüchte, Insekten und eiweißproduzierende Mikroben liefern das neue Steak. Das mag gewöhnungsbedürftig sein, hat aber auch sein Gutes, denn die planetenfreundliche Ernährung ist gesünder.

Anders fahren: Es ist bequem und für viele ein Statussymbol: das eigene Auto. Allein in Deutschland mit seinen gut 81 Millionen Einwohnern sind fast 60 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Die meisten davon verbrennen Benzin oder Diesel. Jeder Kilometer Wegstrecke setzt also Klimagase frei, noch dazu entsteht gesundheitsschädlicher Feinstaub. Und für die Herstellung werden Eisen, Stahl, Aluminium, Kupfer, Zinn, Platin und andere Metalle in großen Mengen benötigt. Der Abbau dieser Rohstoffe hat oft gravierende Folgen für Menschen und Umwelt. Keine Frage: Vom privaten Pkw und von den Verbrennungsmotoren überhaupt müssen wir uns weitgehend verabschieden. Dafür spricht eigentlich allein schon die Tatsache, dass die Straßen – vor allem in Städten – überfüllt sind. Konzepte für eine erneuerbare Mobilität gibt es bereits. Die Verkehrswende könnte mit Ideen wie einer City-Maut, kostenlosem Nahverkehr und autofreien Tagen anfangen. Radschnellwege, mehr Straßenbahnen und Elektrobusse wären der nächste Schritt. In Städten wie Berlin sind auch gute Sharing-Konzepte – ob für Autos, Fahrräder oder Tretroller - sowie Fahrdienste auf Abruf gefragt. Intermodale, also verkehrsmittelübergreifende Mobilität nennt sich dieses Konzept. Damit könnte auch der Raum in der Stadt neu verteilt werden: mehr für Mensch und Natur, weniger für parkende oder rollende Blechkisten.

Anders wohnen: Im Jahre 2050 werden drei Viertel aller Menschen in Städten leben, prognostizieren die Vereinten Nationen. Bereits jetzt blasen die Metropolen 70 Prozent aller vom Menschen erzeugten Treibhausgase in die Luft. Die Städte sollen immer mehr Menschen eine Lebensgrundlage bieten und zugleich grüner und nachhaltiger werden. Das ist eine große Herausforderung. Aber zu packen. Und sie kann Spaß machen. Wenn sich zum Beispiel die Art des Bauens und Wohnen gründlich ändert. Es gibt viele Ideen dafür. Eine Vision: Menschen leben künftig in Mehrgenerationenhäusern und „kollaborativen“ Projekten, in denen es private Wohnzonen gibt, aber auch gemeinsame Werkstätten, Cafés, Bibliotheken, Waschsalons, Kindertreffs. Ressourcen werden geteilt. Die Trennung von Alt und Jung verschwindet. Modulhäuser können je nach Bedarf vergrößert und verkleinert werden. Naturmaterialien wie Holz, Lehmziegel, Hanf, Schilfrohr, Kork oder Zellulose dienen als nachhaltige Bau- und Dämmstoffe. Häuser versorgen sich selbst mit Energie. Auch Berlin ist vom Klimawandel betroffen: durch mehr Hitze, Trockenheit und heftigere Unwetter. Neue Hausformen mit grünen Innenzonen könnten endlich die allgegenwärtigen Betonklötze ablösen. Warum hier nicht von der Antike und dem arabischen Raum lernen? Zu weiteren Ideen gehören: Vegetationsinseln statt versiegelter Böden, mehr Wasserflächen, Mooswände zur Verringerung des Feinstaubs, massenhaft begrünte Dächer, die als Wasserspeicher, Gärten und zur Kühlung der Stadt dienen. Das Berliner Programm „1000 Grüne Dächer“ wurde 2019 auf den Weg gebracht. Es läuft nur langsam an. Ideal aber wäre es, wenn alle Neubauten solche Gründächer erhielten.

Anders konsumieren: In der Agenda 2030 der Vereinten Nationen steht unter Ziel 12: nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion. Tatsächlich ist es das Gegenteil dessen, wie die meisten Dinge unseres Alltags und Lebensstils hergestellt und benutzt werden. Als Produkte einer Wirtschaftsform, die den Absatz immerfort steigern möchte, sind sie oft nicht besonders langlebig, können nicht repariert oder wiederverwertet werden und werden also weggeworfen. Mit auf dem Müll landen so auch Unmengen an Rohstoffen, die für die Herstellung nötig und die oft endlich sind - und die Energie, die es braucht, um sie nutzbar zu machen. Die Menge der Rohstoffe, die der Erde entnommen werden, hat sich in den letzten 100 Jahren verzehnfacht. Sogar Sand, scheinbar in endloser Menge vorhanden und Bestandteil von Beton, wird langsam knapp. So viel Lithum, wie man braucht, um den künftigen Bedarf an Laptops und Smartphones zu decken, ist in den Salzpfannen Südamerikas gar nicht vorhanden. Und Plastikmüll findet sich inzwischen schon in der Tiefsee. Es ist tapfer und mühselig, sich als Verbraucher den Mechanismen dieser linearen Wirtschaft zu verweigern und herauszufinden, in welchem Shampoo kein Mikroplastik steckt und für welches T-Shirt keine Baumwolle verwendet wurde, bei deren Anbau Felder in Indien mit Pestiziden und Dünger belastet wurden. Am Ende braucht es aber einen grundlegendes Umdenken: zum Beispiel die aus der Natur abgeschaute Kreislaufwirtschaft, in der Ressourcen immer wieder verwendet und Materialien und Produkte recycelt, repariert, geteilt werden. Auch in der Natur ist alles Teil von Kreisläufen, wird zu Futter oder zersetzt sich und wird wieder Teil des Bodens. Das Konzept Müll hat erst der Mensch erfunden.

Anders Energie gewinnen: Bis 2050 will Deutschland seine Energie überwiegend aus erneuerbaren Quellen beziehen. Dazu gehören Wind, Wasser, Sonne, Geothermie und nachwachsende Rohstoffe. Beim Strom allein waren es im vergangenen Jahr schon 42 Prozent, was bereits als Erfolgsmeldung gilt. Aber Energie steckt nicht allein im Strom, sondern auch im Wärmemarkt und in Kraftstoffen. Fast 58 Prozent der Gesamtenergie stammen noch immer aus Erdöl und Erdgas, 21 Prozent aus der Stein- und Braunkohle. Doch Deutschland will bis spätestens 2038 aus der Kohlenutzung aussteigen. Dafür müssen wir weiter erneuerbare Quellen erschließen. Doch es genügt nicht, die Energie zu gewinnen. Man muss sie auch speichern können – für Zeiten mit wenig Wind und Sonne. Also setzt Deutschland in einer nationalen Strategie verstärkt auf Wasserstoff. Dieser ist keine Energiequelle, aber ein idealer Energieträger – sozusagen chemisch gespeicherter Strom. Forscher arbeiten hier an immer effizienteren Anlagen, sogenannten Elektrolyseuren. Deutschland kann allerdings nur etwa ein Siebtel seines Bedarfs an sogenanntem grünen Wasserstoff  selbst gewinnen. Der Rest muss importiert werden – zum Beispiel aus Marokko, wo in riesigen Solaranlagen Strom produziert werden soll, der dann zu Wasserstoff für Deutschland gemacht wird. Umweltschützer fordern, sich nicht von solchen Importen abhängig zu machen, sondern auch weiter Windparks und Photovoltaik in Deutschland auszubauen.

Anders mit der Natur umgehen: Man will sie eigentlich nicht mehr hören, die Meldungen darüber, wie es der Natur geht: 75 Prozent weniger Insekten als noch vor 25 Jahren, auch immer weniger Vögel, jeder dritte Baum krank, weil den Wäldern die heißen, regenarmen Sommer zu schaffen machen. Weiter weg sieht es genauso trostlos aus. Die Regenwälder werden abgeholzt, die Meere, so wichtig für die Regulation des Weltklimas, werden zunehmend leerer, wärmer und saurer. In den vergangenen 100 Jahren sind etwa 400 Wirbeltierarten ausgestorben - ginge die Evolution ihren normalen Weg, würde so ein Prozess 10.000 Jahre brauchen. Falsch wäre, das Verschwinden etwa des Breitmaulnashorns als trauriges Ereignis für Nashornliebhaber abzutun. Denn wenn Tier- oder Pflanzenarten nicht mehr da sind, bringt das ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht, und das schadet am Ende auch dem Menschen. Wasser, Nahrung, ein verträgliches Klima – diese Dinge brauchen wir zum Überleben, und die Erde kann sie nur bereitstellen, wenn ihre Ökosysteme stabil sind. Es gibt aber auch gute Nachrichten, und die geben einen Hinweis darauf, wie ein intaktes Verhältnis von Mensch und Natur in Zukunft aussehen könnte. In Deutschland kehren Tierarten zurück, die schon ausgerottet waren: Wölfe, Luchse, Kegelrobben. Sie leben nicht in unberührter Natur, denn die gibt es kaum mehr – 75 Prozent der Landfläche der Erde hat der Mensch bereits verändert. Doch auch in „berührter“ Natur, wie ehemaligen Truppenübungsplätzen in Brandenburg, die zu Wildnisflächen werden, können Tiere und Pflanzen gut leben. Es ist jetzt die Verantwortung des Menschen, seine natürliche Umwelt nicht länger als bloße Ressource zu sehen. Sondern als das, was auch ihn am Leben erhält.