Jetzt gibt es erst mal wieder Test-Chaos – unnötigerweise

Angesichts extrem hoher Inzidenzen kündigt der Gesundheitsminister an: Ab Samstag darf wieder gratis gegen Corona getestet werden. Das ist zu spät und zu vage.

Jetzt kommen die Gratis-Schnelltests doch wieder – nach ihrer Abschaffung und wochenlangen Diskussionen.  
Jetzt kommen die Gratis-Schnelltests doch wieder – nach ihrer Abschaffung und wochenlangen Diskussionen. dpa

Berlin- „Es ist zum Aufregen“, schreibt der Leser aus Berlin: „Meine Mutter ist im Seniorenheim, ich bin vollständig geimpft und muss mich ab sofort testen lassen, um meine Mutter besuchen zu können. Offensichtlich hat der Senat nicht bedacht, dass es noch gar keine kostenlosen Tests gibt und die Testzentren erst wieder eingerichtet werden müssen.“

Recht hat er, der Leser, vor allem in einem Punkt: Wer Tests fordert, muss auch Tests anbieten. Die Bürgertests aber wurden erst vor einem Monat in aller Seelenruhe abgeschafft, unter anderem, weil ja die pandemische Notlage vorbei sei. Nun, da die pandemische Notlage plötzlich wieder da ist, ist guter Rat teuer: Wo sollen die ganzen Geimpften nun getestet werden, da bald 2G plus gelten soll, und da leider, leider ganz viele Testzentren in Berlin geschlossen wurden?

In einem Punkt hat der Leser unrecht, und der lautet: Es war immer ratsam, sich – im Zweifel auch auf eigene Kosten – testen zu lassen, wenn man auf vulnerable Gruppen stößt, und das sind Pflegeheime zuallererst. Zu Recht fordert die Stiftung Patientenschutz  tägliche Tests in Heimen für alle – Besucher und Personal, geimpft oder ungeimpft. Nur so können Bewohner effektiv geschützt und neuerliche Corona-Ausbrüche mit vielen Toten verhindert werden. 

Dass Gesundheitsminister Spahn am Freitag ankündigte, noch am selben Tag eine Testverordnung zu unterzeichnen, damit die Bürgertests wieder kostenlos zur Verfügung stehen, ist deshalb zwar richtig. Nur ist es eben zu spät – und zu vage bleibt, wie konkret die neuerliche Wende in der Testpolitik umgesetzt werden soll.

Dem Leser – und mit ihm vielen anderen Angehörigen und sonst wie zu Testenden – hilft das nämlich erst mal wenig. Sie müssen sich auf die Suche nach geöffneten und nicht überfüllten Teststationen machen, um die teils jetzt schon geltende Testpflicht zu erfüllen. Spahn sagte: Er gehe davon aus, dass ab Anfang der Woche nach und nach auch das Angebot an Tests ausgebaut werde. Es gehört zu den vielen Irrungen und Wirrungen der Corona-Politik, die Testzentren genau dann zu schließen, wenn man sie am dringendsten gebraucht hätte. 

Wenn die Politik nun Tempo bei den Bürgern macht, die sich schnell boostern, schnell testen und schnell impfen lassen sollen, muss sich sich auch an die eigene Nase fassen in puncto Schnelligkeit und Konsequenz.

Jetzt muss erst wieder mühsam aufgebaut werden, was gerade abgebaut wurde. Und sowohl die Testwilligen als auch die Testunwilligen sind erbost. Wie viele unerkannte Infektionen sich – auch unter Geimpften – indes aufgrund abgeschaffter Tests in diesem Monat weiterverbreitet haben mögen, mag man sich gar nicht ausmalen.