Berlin - Bevor mir nun auch noch vorgeworfen wird, ich würde den Gesundheitsminister mobben: Jens Spahn ist privat bestimmt ein total netter Mensch. Wirklich, ich glaube daran. Nur in seiner Eigenschaft als Leiter des Bundesgesundheitsministeriums erweist er sich als immer wieder optimierungsbedürftig.

Das ist nicht neu, das war von Anfang an so. Man darf daran erinnern, dass eine seiner ersten Amtshandlungen pünktlich zum Ressortantritt im März 2018 darin bestand, fachfremd zu attestieren: „Hartz IV bedeutet nicht Armut.“ Er traf sich daraufhin mit einer Langzeitarbeitslosen in Karlsruhe, um die Empörungswelle zu glätten – was aus dem Gespräch wurde, ist nicht bekannt.

Jetzt hat der Minister schon wieder eine Debatte an der Hacke bezüglich der sozialen Frage: Die SPD wirft ihm vor, für Menschen mit Behinderung und Obdachlose ausgerechnet jene Masken vorgesehen zu haben, die er 2020 verspätet und in großem Stil nur leider ungeprüft und offenbar auch überteuert aus China bestellt hatte – und spricht von „Menschenverachtung“. Rücktrittsforderungen werden laut. Spahns Empörung darüber ist so groß, dass er dem Koalitionspartner Mobbing vorwirft und seine CDU-Granden hinter sich versammelt. Die Bundeskanzlerin soll gesagt haben, es sei nicht okay, was da mit Jens gemacht werde.

Aber was wird denn da mit Jens gemacht – oder muss die Frage nicht umgekehrt lauten: Was macht Jens da mit uns? Es wird fast schon langweilig aufzuzählen, wie oft der Gesundheitsminister falsche Versprechungen gemacht hat und wie oft für seine Fehler automatisch andere adressiert wurden. Das hat System.

Vielleicht könnte sich die Regierung damit anfreunden, in der größten Pandemie der Republik doch noch jemanden für das Gesundheitsministerium zu finden, der nicht stetig um seine Glaubwürdigkeit zu kämpfen hat. Auch für Jens Spahn findet sich bestimmt ein hübsches Plätzchen, das seinen Interessen entspricht.