Fausto Russo im Krankenbett. Manchmal braucht er noch Sauerstoff.
Foto: Privat

RomNicht im Traum hätte er gedacht, dass es ihn treffen könnte. Fausto Russo, ein 38 Jahre alter Personaltrainer, Fußballcoach und Inhaber eines Fitnessstudios, ist sportlich, raucht nicht, trinkt nicht, nimmt keine Drogen, war immer kerngesund. Die Corona-Epidemie? Die schien ihm sehr weit weg.

Doch Russo gehört zu den 75.000 Italienern, die sich mit dem Virus infiziert haben. In den letzten drei Wochen hat er die schlimmste Zeit seines Lebens durchgemacht, wie er sagt. Etwas, das er seinem ärgsten Feind nicht wünscht: Covid-19, die vom Virus ausgelöste schwere Lungenkrankheit, die bei tausenden anderen bereits tödlich endete.

Mission, junge Menschen von Gefahr zu überzeugen

Jetzt hat der Italiener so eine Art Mission. Er will klarmachen, dass das Virus nicht nur Alte und Schwache bedroht. Und dass jetzt wirklich alle zu Hause bleiben müssen. Seit es ihm ein wenig besser geht, gibt er in- und ausländischen Fernsehsendern und Journalisten Video-Interviews direkt aus dem Krankenzimmer in der Klinik seiner Heimatstadt Latina, eine Autostunde südlich von Rom. Das Tablet ist sein Fenster zur Welt. Im blauen Krankenkittel erzählt er seine Geschichte. Er sieht noch etwas mitgenommen aus.

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Angefangen habe alles am 5. März, sagt Russo. Bei der Arbeit im Fitnessstudio fühlte er sich krank. Zu Hause maß er 38 Grad Fieber. Der Hausarzt riet am Telefon zu Paracetamol. Aber das half nicht. „Es fiel mir immer schwerer zu atmen“, sagt Russo.

Drei Tage später bekam er extreme Atemnot, glaubte zu ersticken, „wie wenn der Kopf unter Wasser gedrückt wird“. Da blitzte zum ersten Mal der Gedanke auf, es könnte das Coronavirus sein. Seine Frau rief den Notarzt. Als die Sanitäter in Schutzkleidung und mit Masken kamen, erklärte sie den beiden Kindern, das seien „Star Wars“-Krieger, die den Papa zum Mr. Incredible machten. Die Comic-Figur ist inzwischen Russos Facebook-Profilbild.

Künstliche Beatmung und entzündete Lungenflügel

Er kam ins Krankenhaus, der Corona-Test fiel positiv aus, beide Lungenflügel waren schwer entzündet. Ein Katheter wurde gesetzt, eine Woche wurde er künstlich beatmet und ernährt. Eine Erfahrung, die er nie vergessen wird. „Du kannst dich nicht bewegen, nicht richtig schlafen, die Zeit vergeht nicht.“ Dann schlugen ihm die Ärzte die experimentelle Behandlung mit einem Arthritis-Medikament vor. „Schon nach zwei Tagen ging es mir deutlich besser.“ Jetzt, nach drei Wochen Abschottung und Einsamkeit in der Klinik, hofft Russo, bald nach Hause zu können, Frau und Kinder zu sehen.

Die Krankheit habe sein Leben verändert, sagt er. Ihm sei klargeworden, was wirklich wichtig ist: „Leben, atmen, eine Umarmung. Die Freiheit!“