Corona-Gefahr? Infektionen über kontaminierte Lebensmittel sind bislang nicht bekannt.
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BerlinAuf welchen Wegen das Coronavirus wie häufig von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist nach wie vor unklar. Fest steht, dass das Virus über Flüssigkeitströpfchen und Aerosole verteilt werden kann. Aerosole sind Flüssigkeitspartikel, die in der Regel kleiner als fünf Mikrometer sind. Eine Verbreitung ist dann zum Beispiel möglich, wenn ein infektiöser Mensch – also jemand, der Viren ausscheidet – hustet oder niest. Größere Tröpfchen fallen schnell zu Boden, Aerosole hingegen bleiben wegen ihrer geringen Partikelgröße einige Stunden in der Luft. Viren können sich sowohl in Tröpfchen als auch in Aerosolen befinden. Atmet ein Mensch diese ein, kann er sich mit Sars-CoV-2 infizieren.

Als weiterer Übertragungsweg können Infektionen über kontaminierte Oberflächen nicht ausgeschlossen werden. Das Virus bleibt – abhängig von Temperatur, Lichteinstrahlung und Feuchtigkeit – für Stunden bis Tage ansteckend. Niest etwa ein infektiöser Mensch in die Hand und fasst dann eine Türklinke an, sammeln sich dort Virus-haltige Tröpfchen. Der Nächste, der die Klinke berührt, hat die Viren an der Hand. Das ist nicht weiter schlimm, denn beim Händewaschen mit Seife werden Coronaviren weggespült und zerstört. Problematisch ist nur, wenn die Person sich nach dem Griff zur Klinke direkt an Nase, Augen oder Mund fasst. Denn über solche Schmierinfektionen können Viren ihren Weg in den menschlichen Körper finden, wenngleich die Wahrscheinlichkeit deutlich kleiner ist als beim Einatmen von Viren.

Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch das Robert-Koch-Institut (RKI) halten die Gefahr für sehr gering, dass das Coronavirus über kontaminierte Lebens- oder Zahlungsmittel verbreitet wird. „Nach jetzigem Wissensstand sind bislang keine Übertragungen durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel nachgewiesen“, schreibt das RKI auf seinen zuletzt am 4. September aktualisierten Informationsseiten zum Coronavirus. Ähnlich sieht es das Bundesinstitut für Risikobewertung: „Auch für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege.“

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Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité erläuterte im NDR-Podcast einen möglichen Grund, warum diese Übertragungswege sehr unwahrscheinlich sind: „Behüllte Viren, dazu gehören Coronaviren und auch das Influenzavirus, sind gegen Eintrocknung sehr empfindlich.“ Sars-CoV-2 bleibt also auf trockenen Oberflächen wie Geldscheinen oder Münzen nicht lange ansteckend.

Aber was ist mit dem Stück Torte oder dem belegten Brötchen in der Auslage einer Bäckerei, wenn zum Beispiel das Personal keinen adäquaten Mund-Nasen-Schutz trägt? „Ich halte den Übertragungsweg über die Aufnahme kontaminierter Speisen im Fall von Sars-CoV-2 für eher unwahrscheinlich“, schreibt Professor Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung auf Anfrage. „Man kann ihn nicht ausschließen, aber ich denke nicht, dass er – wenn man die Gesamtheit des Infektionsgeschehens betrachtet – von großer Relevanz ist.“ Ein wichtiger Punkt sei, dass potenziell kontaminiertes Essen – im Gegensatz zu Tröpfchen und Aerosolen – im unteren Rachenraum direkt in die Speiseröhre gelange und das Virus im Magen zerstört würde. Fazit: Unmöglich ist eine solche Übertragung nicht, aber extrem unwahrscheinlich.

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