Berlin - Theoretisch wäre ich gerne dabei. Als Rheinländerin liegt mir der Karneval; ich liebe es, wenn die Leute ausgelassen feiern, fröhlich ihre Alltagssorgen vergessen, sich von ihrer liebenswürdigen Seite zeigen. Die Stimmung in Köln zu Rosenmontag ist unvergleichlich – keine andere Stadt in Deutschland empfängt Menschen aller Couleur mit solcher Herzlichkeit, an den tollen Tagen gilt das ganz besonders. 

Was ich aber nicht verstehen kann, sind die Bilder, die am Donnerstag zum Karnevalsauftakt durch die Welt gingen: Menschen dicht an dicht, miteinander tanzend, feiernd, singend, schreiend, in großen Mengen. Während gleichzeitig aus Kliniken deutschlandweit Hilferufe kommen, die Inzidenzen in ungeahnte Höhen steigen, in Heimen wieder Menschen in großer Zahl sterben und die Intensivmedizin kurz vor dem Kollaps steht. Passenderweise ist der Präsident des Kölner Festkomitees Bestatter und der Karnevalsprinz frisch positiv getestet. 

Es gehört zu den vielen Fehlern in der Pandemiebekämpfung, dass die Politik frühzeitig versprochen hat: Sobald ihr zweifach geimpft seid, bekommt ihr alle eure Rechte zurück. Wie man nun sieht, funktioniert das so nicht. Dieses Versprechen ist mit dafür verantwortlich, dass viele Geimpfte sich allzu sicher fühlen – und das Virus unerkannt mit weiter verbreiten. 

Ich habe mich selbst an Karneval in Köln angesteckt, es brauchte dafür nur einen kurzen Aufenthalt in einer schwitzigen Kneipe. Das war im Februar 2020, damals gab es noch keine Impfstoffe und die Empfehlung der Politik lautete: Ihr dürft ruhig feiern, in Deutschland ist das mit Corona nicht so schlimm. 100.000 Tote und drei Lockdowns später, auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie trotz Impfung, sollte man nun wirklich schlauer sein.