Berlin/Montabaur - „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn“, heißt es im berühmten Lied von der Loreley aus dem Jahre 1824. Keinen Grund zur Traurigkeit hingegen bietet eine herzallerliebste Geschichte, die sich am Pfingstmontag an dem vielbesungenen Schieferfelsen hoch über dem Rhein zugetragen hat.

Sie beginnt damit, dass am Nachmittag des Feiertages bei der Polizei in der Loreleystadt Sankt Goarshausen zahlreiche Anrufe besorgter Pfingstwanderer eingingen, die ein hilfloses, verwaistes Rehkitz entlang der Loreleytreppen meldeten. Das Tier war wohl an einem Abhang mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Die Polizei verständigte den in diesen Fällen zuständigen „Jagdausübungsberechtigten“, der seinerseits sofort zu dem auf halber Höhe zwischen Hafen und Loreleyplateau liegenden Jungtier eilte. Der Jäger barg das Tier und trug es die 210 Stufen nach unten zum Fuß des Loreleyfelsens. Heldenhaft!

Unten angekommen, übergab der Retter das leicht verletzte Tier an die bereits ins Bild gesetzte Wildtierhilfe an der Loreley, die das erst wenige Wochen alte Kitz nun auf ihrem Gelände bei Sankt Goar aufpäppeln und aufziehen wird, wie die Polizeidirektion Montabaur mitteilte. Bei der Wildtierhilfe ist das Rehkitz in den besten Händen, das Team um Marko Weber ist seit Generationen mit der Aufzucht und Pflege von in Not geratenen Wildtieren vertraut und spezialisiert darauf, seine Schützlinge wieder in ihr natürliches Umfeld auszuwildern. Seit 2020 gehören auch Rettungsflüge mit Infrarotkamera zum Tätigkeitsfeld: Vor der Mahd werden gegen eine Spende Wiesen abgeflogen, um Rehkitze vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren.

Beim Loreley-Kitz stellten die Mitarbeiter einige Prellungen, Schürfwunden und eine blutige Nase fest. Auch eine Gehirnerschütterung wird angenommen. „Fakt ist, hier ist alles richtig gemacht worden. Der Kleine hätte sich alleine nicht aus der brenzligen Lage befreien können und hätte auch mit den Verletzungen die nächsten Tage nicht überlebt. Vielen Dank den Spaziergängen und dem Jäger für das richtige Handeln“, schreibt die Wildtierhilfe auf ihrer Facebook-Seite.