Wenn Kinder einen imaginären Freund haben, sollten Eltern das nicht als Spinnerei abtun.
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BerlinEltern trifft es häufig ganz überraschend. Plötzlich dürfen sie sich nicht mehr neben ihr Kind aufs Sofa setzen, weil da schon jemand sitzt - der allerdings gar nicht existiert. Wie sollten sie mit diesen  „unsichtbaren Dritten“ im Alltag umgehen? Den Tisch für sie mit eindecken, also mitspielen?

«Ja, warum nicht?», sagt Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) zur Deutschen Presse-Agentur. «Wer mit Humor und einer Prise Gelassenheit mitspielt, bekommt sehr viel von der Gedankenwelt seines Kindes mit», erklärt die Sozialpädagogin.

Die Phase endet meist von allein

In den meisten Fällen handele es sich nur um eine Phase bei Kindern zwischen 3 und 5 Jahren, die von allein wieder verschwindet. Häufig entwickeln Kinder diese Idee, die eine lebhafte Vorstellungskraft haben, aber auch sehr kreativ und sprachlich weit sind.

«Ein Fantasiefreund ist nichts Schlimmes in der kindlichen Entwicklung. Über ihn oder sie können Kinder beispielsweise Grenzen und Regeln neu austesten«, erklärt Mundt und gibt ein Beispiel: «Robby darf aber immer bis Mitternacht wach bleiben.» Vielleicht brauche das Kind auch gerade die besondere Unterstützung der Eltern und es fällt ihm leichter, unangenehm besetzte Dinge anzusprechen. Ein Beispiel sei: «Ach weißt du, mein Freund Robby will nicht zum Arzt gehen, weil er Angst vor der Spritze hat.»

Bloß nicht sagen: «Du spinnst doch!»

Das Auftauchen eines imaginären Freundes könnte man auch als eine Form des Spielens betrachten, das Eltern ihren Kindern nicht ausreden sollten. Würden sie mit Sätzen wie «Du spinnst doch!» oder «Was für ein Quatsch!» reagieren, heißt das, dass man das Kind nicht ernst nimmt. Das wäre die völlig falsche Botschaft. «Das Kind denkt dann, es sei familiär nicht wirklich akzeptiert und zieht sich schlimmstenfalls zurück», erklärt Mundt.

Besorgniserregend sei der imaginäre Freund erst, wenn sich das Verhalten des Kindes massiv ändert, es sich etwa zurückzieht, sich zunehmend isoliert oder auch aggressiv zeigt. Dann empfiehlt Mundt, fachlichen Rat einzuholen. Das könne der Kinderarzt sein, ein Kinderpsychologe, eine Erziehungsberatung vor Ort oder auch die Online-Beratung der bke-Elternberatung.