Fünfzehn Jahre jung – und schon ein Opfer! Mobbing, Ausgrenzung, sozialer Rückzug. Jan hat mehr Körperfülle als seine Mitschüler, und er leidet unter seiner Krankheit: Er hat Adipositas. Das nimmt ihn so sehr mit, dass jetzt sogar sein Mittlerer Schulabschluss in Gefahr ist. Es klingt nicht nur alarmierend, sondern ist es auch: Bereits jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche, die ärztlich untersucht werden, weisen Merkmale einer chronischen Erkrankung auf. Mit steigender Tendenz.

Neben Adipositas bereiten oft Asthma, Neurodermitis oder Diabetes große Probleme. Dazu kommen Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Epilepsie, Rheuma oder Krebserkrankungen. Was die betroffenen Familien oft nicht wissen: In vielen Fällen könnte eine Reha schon den Kleinsten helfen.

Das Problem: Vater- oder Mutter-Kind-Kuren sind bekannt und beliebt. Nur geht es dabei um die Gesundheit der Eltern. Nach orthopädischen Operationen empfehlen Ärzte ihren meist schon erwachsenen Patienten eine Reha. Ganz selbstverständlich. Wenn es aber um die langfristige Gesundheit des Nachwuchses geht, sind die Deutschen eher nachlässig.
Dabei sind seit Anfang des letzten Jahres Kinder-Rehabilitationsmaßnahmen eine Pflichtleistung der gesetzlichen Rentenversicherung. Auch Jan hat eine Kur beantragt – und bewilligt bekommen.

Viele zu wenig informiert

Dr. Ulrich Eggens, Leitender Arzt der Abteilung Rehabilitation und Gesundheitsförderung der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, weiß: „Die überwiegende Mehrheit der Kinder und Jugendlichen wächst zwar gesund auf, aber offenbar wird nicht allen Kindern und Jugendlichen mit chronischen Krankheiten die vielfach notwendige Rehabilitation zuteil.“

Ein Blick in die Zahlen macht das deutlich: Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg leben in der Region rund 920.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, davon rund 550.000 in Berlin und 370.000 in Brandenburg. Im Jahr 2016 nahmen aber nur 2239 junge Rehabilitanden eine Leistung zur Kinderrehabilitation durch die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung in Anspruch – weit weniger, als die Zahlen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte erwarten lassen. Hinzu kommt, dass die Zahlen leicht rückläufig sind. Und: In Brandenburg fällt auf, dass hier fast doppelt so viele Kinder wie in Berlin an einer Kinder-Rehabilitation teilgenommen haben.

Psychische und körperliche Probleme

Dabei ist es bei vielen Erkrankungen so wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern. „Krankheiten im Kindes- und Jugendalter können bei unzureichender Behandlung die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und sich auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Das geht sogar so weit, dass die Ausbildungsfähigkeit und die künftige Erwerbsfähigkeit gefährdet werden können“, sagt Dr. Ulrich Eggens.

Jan ist froh über den Rat seines Arztes zu einer Reha. Neben den psychischen Problemen, die sein Aussehen mit sich bringt, leidet er unter Schmerzen in den Gelenken und Muskeln, unter Kurzatmigkeit und rascher Ermüdung. Dabei ist er eigentlich hochmotiviert, etwas zu ändern. Doch auch im Sportverein wurde er ausgegrenzt. Dickes Kind haben sie ihn genannt. Das Selbstwertgefühl war im Keller.

Reha und Schule im Einklang

Auch hier setzt die Kinder-Rehabilitation an: Es geht darum, Gewicht zu reduzieren, Ess- und Bewegungsverhalten zu verändern. Vor allem aber arbeitet Jan zusammen mit Therapeuten am Selbstbewusstsein. Jan wird emotional stabiler und freut sich auf den Schulwechsel, der während der Reha vorbereitet wird. Damit der nicht mit einem Lerndefizit einhergeht, ist auch für die Fortsetzung des Schulunterrichtes in der Rehazeit gesorgt. Jan und die anderen Kinder und Jugendlichen werden in altersentsprechenden Gruppen betreut und erhalten in den Hauptfächern Unterricht. Jeder lernt zusammen mit Kindern derselben Klassenstufe und desselben Schultyps.

Um den Unterricht sind engmaschig Behandlungen und Anwendungen gestrickt. Und auch in der noch verbleibenden Freizeit ist für Unterhaltung gesorgt. Vor allem die Schwimmhalle hat es Jan angetan. Für die Zeit nach der Reha hat er sich zum Schwimmtraining im Verein angemeldet. Aufgrund seiner gesteigerten Ausdauer und verbesserten Koordination hat er kaum noch Schmerzen. Ein Erfolg, an den es nun anzuknüpfen gilt.

Mehr Informationen gibt es unter www. kinderreha.drv.info