Schelfeis in der Antarktis
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State CollegeDas Schelfeis wird von allen Seiten angegriffen. Unter ihm sammelt sich wärmeres Wasser, welches das Eis schmelzen lässt. Warme Luft von oben und an manchen Stellen auch  Regen schmilzt die Oberfläche. Es bilden sich Teiche, das Wasser fließt in die Tiefe, das das Eis von innen  zersplittern lässt.

Neue Forschungen beleuchten nun eine weitere Bedrohung: Seit dem Jahr 2000 wirbeln feuchte und warme Luftranken, die sogenannten atmosphärische Flüsse, häufiger in Richtung Küste, was zu noch mehr Regen und Oberflächenschmelze führt. Was nachhaltige Folgen auf den Meerespegel hat.

Die Antarktis hat in den letzten Jahren jährlich etwa 250 Milliarden Tonnen Eis verloren, die Rate hat sich seit 1979 versechsfacht. In diesem Tempo könnten die Eisschelfs der Westantarktis nach Ansicht der Forscher so schnell abschmelzen lässt, was zu einem Anstieg des Meeresspiegels weit über die aktuellen Prognosen hinaus führen könnte.

Schelfeisflächen halten riesige Mengen an Landeis zurück

Denn die schwimmenden Schelfeisflächen, die teilweise bis zum Meeresboden oder an die Fjordwände gefroren sind, halten riesige Mengen an Landeis zurück. Wenn das Eis schneller ins Meer fließt, sagte der Klimaforscher Richard Alley aus Penn State, schmilzt es schneller, die Meeresspiegel steigen.

Alley bemerkte, dass einige Untersuchungen darauf schließen ließen, dass, wenn die Erderwärmung die Eisschmelze der Antarktis weiter so treibt, der Meeresspiegel bis 2100 um mehr als 90 Zentimeter und bis 2500 um etwa 15 Meter ansteigen könnte. "Dieses Modell wird manchmal als Worst-Case-Szenario behandelt, aber in der Tat verwendete das Modell eine maximale Kalbungsrate, die in Grönland bereits kurz überschritten wurde, und es besteht die Möglichkeit, dass eine noch schnellere Kalbung von höheren, breiteren Klippen aus erfolgen könnte, die sich entwickeln könnten in der Antarktis ", sagte er. Mit Kalben ist das Abbrechen größerer Eismassen von einem Gletscher gemeint.

Besondere Bedeutung kommt bei den aktuellen Untersuchungen den atmosphärischen Flüssen zu. Sie haben ihren Ursprung im südlichen Pazifik, können mehrere tausend Meilen lang sein und so viel Wasser führen wie 25 Mississippi-Flüsse. Sie sind durchschnittlich etwa drei km tief und 250 bis 605 Kilometer breit. Wenn sie auf Land treffen, geben sie all diese Feuchtigkeit als Regen oder Schnee ab.

Regen beschleunigt ein Schmelzen des Schelfeises

Atmosphärische Flüsse werden durch ein Wettermuster über dem Amundsenmeer in Richtung Westantarktis gelenkt, das seit 2000 ebenfalls häufiger geworden ist, sagte Jonathan Wille, der Hauptautor der Studie, von der Universität Grenoble Alpes, Frankreich, mit Schwerpunkt Antarktis-Meteorologie.

Seine Studie, die in der Zeitschrift Nature Geosciences veröffentlicht wurde, analysierte Daten von 1979 bis 2017 und stellte fest, dass 30 bis 50 Prozent des Winterregens über den Schelfeisflächen der Antarktischen Halbinsel mit atmosphärischen Flüssen in Verbindung gebracht wurden, "was ein weiteres Schmelzen durch Erwärmung der Schneedecke ermöglichte. "

Willes Studie legt nahe, dass Regen und schmelzendes Eis durch atmosphärische Flüsse verursacht werden. Sie sind der Hauptgrund für den dramatischen Zusammenbruch des Larsen-B-Schelfeises von 2002, in dem sich 1.250 Quadratkilometer Eis über einen Zeitraum von wenigen Wochen auflösten. Frühere Untersuchungen deuteten auch darauf hin, dass der Zusammenbruch eher von oben als von unten ausgelöst wurde.