Pflanzen verbrauchen mehr Wasser als bisher angenommen.
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New HampshireIn einigen Regionen der Welt werden Pflanzen mit der zunehmenden Klimaerwärmung mehr Wasser verbrauchen. Gerade in den gemäßigten Klimazonen dürfte sich dadurch das Wasser, das dem Menschen zur Verfügung steht, verringern, wie US-Forscher im Fachjournal Nature Geoscience schreiben. Die Ergebnisse von Justin Mankin vom Dartmouth College in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire und seinem Team widersprechen bisherigen Annahmen, dass Pflanzen mit steigendem CO2-Gehalt in der Atmosphäre weniger Wasser verbrauchen.

Seit Untersuchungen in den 1980er-Jahren waren sich Fachleute weitgehend einig, dass ein höherer CO2-Gehalt in der Atmosphäre den Pflanzen ermöglicht, im Rahmen der Fotosynthese weniger Wasser zu verbrauchen. Die Spaltöffnungen der Blätter - winzige Poren für den Gasaustausch - brauchen weniger weit geöffnet zu werden, um die benötigte Menge CO2 aufzunehmen. Dadurch sinkt auch die Wasserverdunstung und es sollte mehr Wasser aus Niederschlägen in den Böden sowie in Flüssen und Seen bleiben. Das gilt den neuen Untersuchungen zufolge zwar tatsächlich für die Tropen und auch bestimmte andere Bereiche, nicht aber für die mittleren Breiten.

Schnelleres Pfanzenwachstum sorgt für höheren Wasserverbrauch

„Ungefähr 60 Prozent des globalen Wasserflusses vom Land in die Atmosphäre gehen über Pflanzen“, sagt Mankin. Er vergleicht Pflanzen mit einem Strohhalm, über den die Atmosphäre dem Boden Wasser entzieht. „Deshalb beeinflussen Pflanzen enorm, wie viel Wasser den Menschen auf der Erde zur Verfügung steht.“

Die Studienautoren berücksichtigten bei ihrer Arbeit nicht nur die steigende CO2-Konzentration in der Luft, sondern auch die Effekte der Erwärmung. Dadurch werde in den bisher gemäßigten oder kühleren Regionen die Wachstumsperiode der Pflanzen verlängert, schreiben sie. Zudem würden die Pflanzen schneller wachsen, weil sie mehr Fotosynthese betreiben könnten. Beides treibe den Wasserverbrauch der Pflanzen in die Höhe. In weiten Teilen Nordamerikas, Europas und Asiens wird den Berechnungen zufolge daher künftig weniger Regenwasser im Boden verbleiben oder in Flüsse und Seen gelangen.

Beobachtungsdaten zur Entwicklung der Verdunstung von Pflanzen in den Jahren 1982 bis 2014 in verschiedenen Weltregionen stützten die Modellberechnungen, schreiben die Wissenschaftler. „Unsere Forschung zeigt, dass wir nicht erwarten können, dass Pflanzen ein universelles Allheilmittel für die zukünftige Wasserverfügbarkeit sind“, betont Mankin. Es sei daher entscheidend, klar einschätzen zu können, wo und warum mit Änderungen der Wasserverfügbarkeit in der Zukunft gerechnet werden müsse, um darauf vorbereitet zu sein. (dpa/fwt)