BerlinImmer mehr Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, müssen in Deutschland intensivmedizinisch betreut werden. Die Zahl der schweren Fälle steigt sprunghaft. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) betrachtet die Entwicklung mit Sorge und schlägt nun Alarm. Einige Kliniken kämen an ihre Belastungsgrenzen. In einer Mitteilung ruft die DIVI daher dazu auf, den Regelbetrieb an Kliniken unverzüglich einzustellen und den Notfallmodus auszurufen.

„Wir bekommen die Situation in den Griff, wenn uns die Politik jetzt endlich den Rücken stärkt“, wird DIVI-Präsident Uwe Janssens in einer Mitteilung zitiert. Er fordert, die Krankenhäuser, die an ihre Belastungsgrenze stoßen, aus dem Regelbetrieb zu nehmen, nicht notwendige Operationen zu verschieben und den Krankenhäusern einen finanziellen Ausgleich unbürokratisch und schnell zuzusichern.

Wenn kein Notbetrieb verordnet werde, sei niemand für die finanziellen Ausfälle der Kliniken zuständig, warnt die DIVI. Die Politik dürfe jetzt „nicht länger auf Zeit spielen“, so Janssens. Seine Befürchtung: Ohne Kompensationszusagen werden viele Krankenhäuser nicht umstellen.

Grafik:  BLZ/Sabine Hecher, Quelle: RKI, DPA

Im Notbetrieb werden vor allem alle Aufnahmen und Operationen abgesagt, die aus ärztlicher Sicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden können. Das damit freigesetzte Personal aus den verschiedenen Bereichen – insbesondere das Fachpersonal der Anästhesie – stehe dann zur Unterstützung der Intensivstationen, aber auch der Normalstationen zur Verfügung. So könnten Patienten mit Covid-19 wie auch andere, schwer kranke Patienten besser versorgt werden.

In Berlin übersteigt die Anzahl der Covid-19-Patienten bereits die Rekordzahlen aus dem Frühjahr. Aktuell liegen in der Hauptstadt von 863 Covid-19-Patienten 234 auf der Intensivstation, 196 Menschen müssen beatmet werden. In den großen Kliniken wird bereits ein reduziertes Programm für Notfälle praktiziert. „Für ganz Berlin ist diese Vorgehensweise seit dieser Woche über eine Rechtsverordnung seitens des Senats geregelt“, erklärt Steffen Weber-Carstens von der Charité Berlin.

Intensivmediziner erwarten, dass die Zahl der Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, in den nächsten vier bis sechs Wochen noch weiter ansteigen wird.