Global aktive Wissenschaft ist auf das Reisen angewiesen. In vielen Fällen bedeutet das, dass man das Flugzeug nutzen muss.
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BerlinLängst ist das Thema des nachhaltigen, ressourcenschonenden Wirtschaftens an Hochschulen und anderen Wissenschaftseinrichtungen fest verankert. Hier spielt es, so kann man erfahren, nicht nur in Lehre und Forschung eine entscheidende Rolle. Auch im Bereich der Infrastruktur hat es seinen Platz: Senkung der Energie- und Betriebskosten, Rückgriff auf alternative Wärmesysteme, nachhaltige Architektur – das gesamte Spektrum klimaschützender Maßnahmen ist vertreten.

An vielen Hochschulen bildet Nachhaltigkeit trotz beschränkter Finanzspielräume ein Querschnittsthema, das die Mission der Einrichtung und ihr Selbstbild entscheidend prägt. Sogenannte Green Offices sorgen für eine Bündelung der Maßnahmen und die Definition ehrgeiziger Ziele. Diverse Wissenschaftseinrichtungen haben sich vorgenommen, in einigen Jahren CO2-neutral zu wirtschaften. Ihnen ist bewusst, dass sie eine besondere Vorbildfunktion für eine verantwortungsvoll handelnde Gesellschaft besitzen.

Ganz ohne Reisen geht es nicht

Allerdings gibt es auch einen Bereich des Alltags, der erhebliche Schwierigkeiten birgt. Global aktive Wissenschaft ist auf das Reisen angewiesen. In vielen Fällen bedeutet das, dass man das Flugzeug nutzen muss. Andere Optionen sind gerade bei außereuropäischen Konferenzen wenig attraktiv. Das Problembewusstsein ist allerdings in den letzten Monaten deutlich gewachsen.

Etliche Wissenschaftseinrichtungen fordern ihre Mitglieder auf, Reisen kritisch zu hinterfragen. Nur wer einen eigenen Beitrag auf einer entfernt stattfinden Tagung zu leisten hat, soll auch an ihr teilnehmen. Video-Schaltungen sind gerade für den Arbeitsalltag von Institutionen hilfreiche Alternativen zu Flugreisen. Moderne Skype-Systeme können heute dank guter Technik intensive Sitzungen ermöglichen, ohne dass alle Gesprächspartner am selben Ort präsent sein müssen.

Geld für Klimaschutzorganisationen

Mehr Bewegung muss noch in das Thema CO2-Kompensation kommen. Wer fliegt, kann die CO2-Emission berechnen, die durch die eigene Reiseaktivität entsteht. Ein Hin- und Rückflug in der Economy Class zwischen Berlin und New York erzeugt nach Schätzung der Plattform „My climate“ einen Ausstoß von 2,1 Tonnen CO2. Auf freiwilliger Basis kann man solche Emissionswerte kompensieren, indem man für jede Flugreise Geld an Klimaschutzorganisationen zahlt.

Diese setzen die ihnen zufließenden Mittel für konkrete Maßnahmen zur Klimaverbesserung ein. Für den genannten New-York-Flug müsste man bei „My climate“ 52 Euro entrichten. Das Geld kommt Projekten in Nicaragua, Kenia oder Indien zugute, wo man den Klimaschutz fördert und nachhaltige Entwicklung unterstützt.

Es fehlt an finanziellen Möglichkeiten

Noch immer fehlt manchen Wissenschaftsinstitutionen die rechtliche Möglichkeit, Flugreisen ihrer Mitglieder auf diese Weise zu kompensieren. Vor allem aber reichen die budgetären Ressourcen nicht, um Tausende von unverzichtbaren Dienstflügen finanziell auszugleichen. Momentan bemühen sich die großen Wissenschaftseinrichtungen Deutschlands um entsprechende Genehmigungen und Mittel.

Aber es ist einstweilen unklar, ob sie Erfolg haben werden. Dabei wäre es für die Wirksamkeit einer nachhaltigen Klimapolitik entscheidend, wenn die Wissenschaft bei der CO2-Kompensation neue Handlungsspielräume gewinnen könnte.