Berlin - „Die Leute haben Angst, zur Arbeit zu kommen.“ Dieser Satz haut rein. Geäußert nicht etwa von einer Mannschaft mit einem besonders schwierigen Chef. Sondern von einer Ärztin auf einer Berliner Geburtsstation. Und dies nicht wegen der allgegenwärtigen Corona-Pandemie. Sondern weil es dort so dermaßen an Personal fehlt, dass die Verbliebenen Angst haben, dass unter der angespannten Situation im Kreißsaal Patientinnen sterben könnten.

Diese Befürchtungen einer Berliner Ärztin, die Sie heute in der Berliner Zeitung als Thema des Tages finden, sind mitnichten singulär. Sie werden nur kaum je so offen geäußert. Üblicherweise sind Ärzte verschwiegen. Auch um die Patienten nicht zu ängstigen.

Man mag sich die Situation des Klinikpersonals kaum vorstellen: Sie sind für Menschenleben verantwortlich. Und sie wissen, dass sie diese entscheidende Aufgabe unter den aktuellen Umständen nicht mehr garantieren können. Nichtsdestotrotz müssen sie versuchen, den Schein zu wahren, denn Angst, Druck und Stress sind entscheidende Faktoren in der Patientengesundheit. Wenn das Personal die Nerven verliert, und mit ihnen die Patienten, dann funktioniert die Arbeit auf den Stationen gar nicht mehr.

Die Politik darf die Kliniken in diesen entscheidenden Stunden nicht länger alleine lassen. Der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht. Wenn sich nun sogar Ärztinnen äußern, die sonst aus guten Gründen nicht an die Öffentlichkeit gehen, dann ist ein Punkt erreicht, an dem auch die Politik nicht mehr wegsehen darf.

Die Kliniken schaffen es nicht mehr alleine, die Patienten zu versorgen. Dieser Befund muss öffentlich und mit allem Nachdruck und sämtlichen Konsequenzen diskutiert werden. Und dann müssen endlich Lösungen gefunden werden, zum Beispiel eine bedarfsorientierte Finanzierung. Damit man sich in den Geburtsstationen wieder auf das Leben freuen kann – und nicht den Tod fürchten muss.