Berlin/Stralsund - Lärm im Meer: Die normalen natürlichen Geräusche werden permanent durch Krach übertönt, der vom Menschen verursacht wird. Da dröhnen zum Beispiel Tausende Schiffsmotoren, knallen weltweit Schallkanonen zur Erkundung des Meeresbodens. Die ständige Lärmverschmutzung löse bei Meerestieren Stress aus, heißt es in einem Youtube-Film des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Dieses führt vom 25. bis 30 April gemeinsam mit dem Umweltbundesamt und dem Museum für Naturkunde Berlin eine „Woche gegen Lärm im Meer“ durch.

Knallende Bläschen an den Schiffsantrieben

Denn Lärm gibt es nicht nur in fernen Ozeanen, sondern auch vor der Haustür, in der Ostsee. Er entsteht nicht nur durch die Motorengeräusche der Schiffe selbst, sondern auch durch die sogenannte Kavitation, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mitteilt: An den Schiffsantrieben entstünden durch Druckveränderungen implodierende Gasbläschen. Sie erzeugten einen Lärm, „als stünde man ohne Hörschutz direkt neben einem feuernden Maschinengewehr“, so der Nabu. Hinzu kämen Baggerarbeiten, Marinesonar, Munitionsexplosionen, rasende Sportboote oder Rammarbeiten beim Windparkbau.

Darunter leiden nach Aussagen des Nabu Schweinswale, Dorsche und viele andere Meeresbewohner. Schweinswale zum Beispiel sind auf ihr Biosonar angewiesen, orientieren sich an ausgesandten Ultraschall-Klicks. Lärm störe ihre Verständigung, das Paarungsverhalten, die Nahrungssuche, so der Nabu. Aber auch Fischarten wie der Dorsch nutzten Schall zur Kommunikation und zur Orientierung. Im schlimmsten Fall könne Unterwasserschall zum Tod der Meeresbewohner führen oder Verletzungen hervorrufen. Allgemein habe sich der Unterwasserschall in den Meeren während der vergangenen Jahrzehnte verdoppelt bis verdreifacht, heißt es vom Nabu.

„Die Auswirkung von Unterwasserlärm auf marine Tiere ist allerdings nicht vollständig erforscht“, teilt das Museum für Naturkunde Berlin mit. Mit verschiedenen Formaten will das Museum die Öffentlichkeit für das Thema Unterwasserlärm sensibilisieren. Auf einer Informationsplattform (unterwasserlaerm.museumfuernaturkunde.berlin) kann man erfahren, wie sich Lärm im Meer auswirkt. In einem Audio-Quiz kann man versuchen, natürliche von menschengemachten Meeresgeräuschen zu unterscheiden, was nicht immer einfach ist. Aus einer Auswahl an Unterwassergeräuschen können kreative Teilnehmer Musikstücke machen. Der Wettbewerb nennt sich Musik-Hackathon Your Ocean Sound. Die Gewinner sollen während der „Woche gegen Lärm im Meer“ bekanntgegeben werden.

Blasenwände mindern Schall bei Bauarbeiten

„Entscheidend ist, dass wir gemeinsam Lösungen finden, um den Unterwasserlärm zu reduzieren“, sagt Cora Albrecht, Projektleiterin am Naturkundemuseum. Dazu gibt es etwa eine Podiumsdiskussion und eine wissenschaftliche Abschlusskonferenz. Unter anderem fordern Umweltschützer, Vorgaben beim Bau von Windparks konsequent einzuhalten und Schallschutzmaßnahmen zu treffen, etwa durch die Installation von „Wänden“ aus Blasen. Schiffe mit leiserem Antrieb sollten entwickelt und ein Tempolimit auf den Meeren eingeführt werden.