Die Krankschreibung auf Papier gibt es zwar noch - sie wird aber momentan häufiger per Post versendet.
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BerlinKrankschreibungen können nun voraussichtlich doch weiter nach telefonischem Arztkontakt erfolgen. Das erklärte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen (G-BA), Josef Hecken, am Montag in Berlin. Der Ausschuss revidierte damit nach massiver Kritik von Gesundheitspolitikern und Verbraucherschützern seine Entscheidung vom Freitag, die telefonische Krankschreibung wieder zu verbieten.

„Aufgrund der aus der Versorgungspraxis am Wochenende vorgetragenen unterschiedlichen Einschätzungen zur Gefährdungslage für Patientinnen und Patienten in den Arztpraxen wegen zum Teil noch fehlender Schutzausrüstungen wird sich der G-BA heute erneut mit der Frage der Möglichkeit der Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit per Telefon ohne persönliche Inaugenscheinnahme der Patientinnen und Patienten durch den Arzt beschäftigen“, sagte Hecken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde man dann eine Verlängerung der Regelung bis zum 4. Mai beschließen.

Am Wochenende hatte beispielsweise Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Aufhebung der telefonischen Krankschreibung als „verfrüht“ kritisiert. Es sei zu befürchten, dass Covid-19-Patienten wieder in Arztpraxen erscheinen würden und dadurch andere Menschen ansteckten. Wie auch Vertreter anderer Parteien und Verbraucherschützer forderte sie  eine Verlängerung der telefonischen Krankschreibung.

Diese soll nun kommen. Allerdings mit leichten Anpassungen: So soll eine Arbeitsunfähigkeit nach telefonischer Anamnese nur für die maximale Dauer von einer Woche bescheinigt werden. Eine Verlängerung der Krankschreibung soll nach Maßgabe der G-BA zudem nur einmal möglich sein. Des Weiteren müsse die Situation tagesaktuell neu abgewägt werden.

Doch auch wenn die telefonische Krankschreibung nur eine Übergangslösung ist, könnte die in Krisenzeiten getroffene Sonderregelung nun auch der digitalen Sprechstunde einen Vorschub leisten. Das zumindest hofft gerade die Telemedizin-Branche. „Die Videosprechstunde kann die Verbreitung des Virus verlangsamen und schützt andere Patienten – insbesondere chronisch und ernsthaft Erkrankte – und das medizinische Personal vor einem unnötigen Infektionsrisiko“, schreibt etwa der Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums.

In den vergangenen Jahren wurden die Regelungen für Videosprechstunden immer weiter gelockert, um sie mehr Patienten zugänglich zu machen. Seit Oktober vergangenen Jahres sind auch Erstkontakte via Video erlaubt. Dennoch bieten sie relativ wenig Ärzte an – die technischen und bürokratischen Voraussetzungen sind hoch, die Nachfrage gering und die Abrechnungsmöglichkeiten beschränkt. Im Zuge der Corona-Krise wurde zumindest aber letzteres gelockert: Die Obergrenzen für Patientenkontakte via Video wurden ausgesetzt. Allerdings zählen Krankschreibungen im Gegensatz zu einfachen Sprechstunden via Video nicht zu den Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Das hat sich auch in der jetzigen Sondersituation nicht verändert. Zwar gibt es Anbieter, die Online-Krankschreibungen anbieten, die Kosten dafür müssen gesetzlich Versicherte dann aber in der Regel selber tragen. Lediglich Privatversicherte können auf eine Übernahme der Kosten hoffen.

Wann und ob es eine dauerhafte Kassenzulassung für elektronische Krankschreibungen geben wird, ist ungewiss. Eine Entscheidung rückt aber auch hier näher. Der Gemeinsame Bundesausschuss befindet sich derzeit in einem Beratungsverfahren, in dem es um die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen im Rahmen von Fernbehandlungen wie etwa Videosprechstunden geht. Der Zeitplan sieht eine Entscheidung im Juli vor.