Berlin - Millionen Menschen aus der Ukraine mussten von einem Tag auf den anderen ihr Zuhause verlassen, ihre Schulen und ihre Arbeit, ihre Freunde und Familien. Sie haben möglichweise Schreckliches auf dem Fluchtweg erlebt, sind traumatisiert. Sie kommen in einem fremden Land an, sind orientierungslos, hilflos – und sollen sich in Berlin bitte selbst um eine Corona-Impfung kümmern.

Das ist zumindest eine der wenigen konkreten Antworten des Berliner Senats auf die Frage, wie man die Geflüchteten vor Corona-Infektionen schützen wolle. Die Kriegsflüchtlinge dürfen sich impfen lassen, wenn sie wollen, heißt es. Sie müssen dafür aber „selbstständig“ in die Corona-Impfstellen oder in die Impfzentren gehen. Grundgütiger.

Man kann - wieder einmal - nur staunen über die Organisationsfähigkeit der Verwaltung. Natürlich, es handelt sich um eine noch nie dagewesene Situation. Einerseits müssen die Schutzsuchenden untergebracht und versorgt werden; andererseits die vielen Menschen geschützt werden, damit niemand schwer an Corona erkrankt. Aber: Das Erfahrungswissen müsste doch da sein, um sofort zu reagieren.

Schickt mobile Ärzteteams!

In der Ukraine gibt es eine Impfquote von knapp 35 Prozent. Liegt es an der allgemeinen Gesundheitsversorgung oder an einer Impf-Skepsis in der Bevölkerung? Das gilt es herauszufinden. Dann könnten mobile Ärzteteams mithilfe von Dolmetschern die Geflüchteten im Rahmen der Erstaufnahme untersuchen und sie dabei auch über die Corona-Impfungen aufklären. Und zwar in einfacher Sprache. Fragen und Unsicherheiten können sofort behoben werden, ohne Druck aufzubauen. Wer will, könnte sofort mit einem mRNA-Impfstoff geimpft, wer nicht will, über künftige Angebote beraten werden.

15.000 Menschen kamen am Mittwoch in Berlin an. Es wird zu Corona-Ausbrüchen in den Unterkünften kommen, das ist nur eine Frage der Zeit. Nicht nur die Gesundheit der Schutzsuchenden ist in Gefahr, sondern auch die der Helfer, die jetzt schon an ihre Grenzen kommen.