Komischer Vogel: Die Erdkröte scheint das Flugzeug in den Blick zu nehmen.
Foto: Andreas Kämper

BerlinSchon klar, es ist unser anthropomorphisierender Blick, der uns glauben lässt, die Kröte schaue dem Flugzeug hinterher, grüblerisch, vielleicht mit einem Hauch von Fernweh. Wir können nicht anders, als Tiere zu vermenschlichen, und wenn eines, wie es scheint, einen so ernst gespannten, großen Mund hat und so weise Riesenaugen, springt die Fantasie an.

Gedacht haben die Kröten, die der Fotograf Andreas Kämper auf dem Gelände des BER in Szene setzte, wohl eher wenig; vielleicht empfanden sie Angst, hatte er sie doch kurz zuvor aus Eimern gefischt, in die sie gefallen waren – im Zuge einer Schutzmaßnahme, die die auf dem Gelände des künftigen Hauptstadtflughafens BER ansässigen Amphibien davor bewahren sollte, überfahren zu werden.

Für die einen bloß die Wiese hinter der Landebahn, für die anderen ein Lebensraum.
Foto: Andreas Kämper

Unstrittig ist jedenfalls, dass Andreas Kämpers Bilder poetisch vom Zusammentreffen zweier Arten und deren Bedürfnissen erzählen. Am Rande des Geländes des Flughafens, dessen Inbetriebnahme der TÜV vor wenigen Tagen endlich genehmigt hat, lebten vor Baubeginn unter anderem Kröten. Teils wurden die geschützten Tiere umgesiedelt, teils konnten sie bleiben. Da aber eine Zufahrtsstraße ihren Lebensraum durchtrennt, kümmerte sich die Flughafengesellschaft in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde darum, dass sie insbesondere bei ihren Wanderungen zur Laichzeit nicht überfahren werden. Ein Zaun wurde entlang der Straße gezogen, Eimer wurden aufgestellt, in die die Kröten fielen, wenn sie auf der Suche nach einem Durchgang den Zaun entlangliefen. Dann kam der Mensch ins Spiel: Die Tiere wurden aus den Eimern geholt und auf die andere Seite der Straße getragen. Ein Job, den für eine Weile auch Andreas Kämper machte, der in der Nähe des Flughafens wohnt.

Schau mir in die Augen, Kleiner: Am BER-Gelände leben diverse Krötenarten, hier eine Knoblauchkröte.
Foto: Andreas Kämper

Kämper hat die Umbruchzeit 1989/90 dokumentiert, er hat das Volksbühnenensemble in Szene gesetzt – Tiere hatte er bislang keine fotografiert. Doch die Kröten begannen ihn zu faszinieren: ihre schimmernden Augen, ihre unerwartet weiche Haut, die Unterschiede im Verhalten. Manche machten, dass sie davonkamen; andere blieben auf seiner Hand sitzen. Auf seinen Spaziergängen nahm er nun eine Kamera mit.

Wenn der Flughafen Ende Oktober eröffnet wird, hat die Winterruhe der Kröten gerade begonnen. Im nächsten Frühjahr brauchen sie dann keine menschliche Hilfe mehr. Inzwischen wurden Röhren installiert, die sie unter der Straße hindurch geleiten.