Ein wichtiges Detail: Die Pupillen eines Krokodils sind schlitzförmig.
Foto: imago images/Blickwinkel

Mit etwas Verspätung füllt sich dann doch noch das Sommerloch. Endlich kommt etwas Schwung ins Geschäft. Nach einer Krokodil-Sichtung im südlichen Sachsen-Anhalt, genauer gesagt: in einem trüben Gewässer namens Unstrut (bei Tröbsdorf), und einem sogleich medienwirksam erlassen Badeverbot vor einigen Tagen, sorgt nun ein weiteres Krokodil für Rätselraten: Im hessischen Flüsschen Bleiche ist es zwischen Bergheim und Bleichenbach gesichtet und sogar fotografiert worden – wir dürfen das Bild hier leider nicht veröffentlichen, versichern aber, dass es hinreichend unscharf ist und deshalb Raum für allerlei Spekulationen lässt.

Doch so wie es berechtigte Zweifel an der Existenz des Reptils in der Unstrut gibt, werden auch bei dem Kroko aus der Bleiche etliche Zweifel laut. Hieß es aus der zuständigen Stadtverwaltung Ortenberg zuerst noch, ein zoologischer Berater habe die Echtheit der Echse bestätigt und als Jungtier eingeordnet – auf dem Foto recke ein kleines Krokodil keck den Kopf aus seinem Schilfversteck –, so ließ sie sich mittlerweile von dem Kurator des Frankfurter Zoos, Johannes Köhler, beraten und der sagte jetzt: „Ich halte es für ein Plastikkrokodil.“ Mithin für eine Attrappe, wie sie für wenig Geld auch im Online-Handel angeboten werde.

Kein Sommer-Kroko in Sicht: Das Flüsschen Bleiche fließt durch die Ortsmitte von Bergheim bei Ortenberg in der Wetterau.
Foto: dpa/Boris Roessler

Köhlers fachkundiger Blick erkennt trotz der schlechten Aufnahme besonders große Augenwülste und fast sechseckige Schuppen, was allerdings sehr ungewöhnlich für ein Krokodil sei. Zudem seien die Pupillen des Tieres rund und geweitet, tagsüber hätten diese aber schlitzartig sein müssen … Das mag reichen und den folgenden Schluss nahelegen: Wenn du im Sommerloch-Tier-Geschäft erfolgreich mitmischen willst, dann mache und zeige nie, NIEMALS, ein Foto von dem Vieh.