Künstliche Fingernägel: Warum das Infektionsrisiko steigt

Köln - Sie sind in fast jedem Einkaufszentrum zu finden: Nagelstudios. Künstliche Fingernägel aus Materialien wie Gel oder Schellack sind beliebt, weil sie bis zu vier Wochen halten. Doch kann das für die Fingernägel überhaupt gut sein oder sind die aufgeklebten Nägel schädlich? Die Hautärztin Ellen Meyer-Rogge erklärt, welches Risiko sie für die Gesundheit darstellen.

Kunstnägel bergen ein Infektionsrisiko

„Bei Kunstnägeln, unabhängig wie sie befestigt werden, bilden sich immer Hohlräume zwischen dem Natur- und dem Kunstnagel“, erklärt die Medizinerin. In dem Hohlraum können sich leicht Pilze und Bakterien ansiedeln – das Infektionsrisiko steigt dadurch. In dem Hohlraum bildet sich außerdem Feuchtigkeit, das ist nicht nur der ideale Nährboden für die Krankheitserreger, sondern greift auch den Nagel an: „Das Horn des Nagels wird durch die Feuchtigkeit weicher.“

Nagelpilz oder eine bakterielle Infektion der Nagelfalte seien häufige Krankheiten, die durch das Tragen von künstlichen Nägeln begünstigt werden. „Nagelpilz ist eine sehr hartnäckige Krankheit“, weiß Meyer-Rogge. Der Nagel verfärbt sich dabei gelblich, grünlich oder bräunlich und der Nagel wird bröselig. „Weil man Kunstnägel meist wochen- oder monatelang trägt, bleibt der Nagelpilz oft unentdeckt und kann sich weiter ausbreiten.“

Schellack oder Gel kann Allergien auslösen

Ein weiteres Problem: Materialien wie Schellack können Allergien auslösen, die sich zum Beispiel durch Rötungen an der Nagelhaut bemerkbar machen. Kunstnägel schaden den Nägeln auch, weil sie verhindern, dass an den Naturnagel Sauerstoff gelangt. „Es kann sein, dass man dadurch auch mal klamme Hände hat“, erklärt die Hautärztin.

Bei Berufen, wo Hygiene besonders wichtig ist, wie in der Küche oder bei medizinischen Personal ist von künstlichen Nägeln abzuraten, weil sich bei den Kunstnägeln schnell Krankheitserreger einnisten können.

Kurze Nägel sind in der Arztpraxis Pflicht

In der Praxis von Ellen Meyer-Rogge sind kurze Fingernägel Pflicht: „Wenn man die Hand von innen betrachtet, darf der Nagel nicht über die Fingerkuppe ragen.“ Längere Nägel und Kunstfingernägel sind hygienisch nicht geeignet für eine Arztpraxis: „Längere Nägel lassen sich nicht ordentlich mit einer Nagelbürste sauber halten“, erklärt Meyer-Rogge.

Bei Farblacken gibt es kein erhöhtes Infektionsrisiko, weil der Lack bündig auf den Nagel aufgetragen wird, sagt die Ärztin. Allerdings kommt auch bei Farblacken weniger Sauerstoff an den Nagel. Deshalb rät die Hautärztin, ein- oder zwei Wochen am Stück keinen Nagellack zu tragen.