Neu DehliIn Indien sorgt eine wilde Mischung aus Tierschutz sowie Religion und Politik für einige Verwirrung. Angefangen hat alles damit, dass eine von Premier Narendra Modi eingesetzte Behörde für den Schutz der dort als heilig verehrten Kühe zu einer wissenschaftlichen Prüfung eingeladen hat. Dazu veröffentlichte die „Rashtriya Kamdhenu Aayog“ genannte Behörde auf ihrer Website entsprechendes Lernmaterial. Kurz darauf sorgte eben dieses Material zur Kuh-Wissenschaft allerdings für Kontroversen.

Denn laut örtlicher Medien war dort zu lesen, dass etwa das Töten von Kühen Erdbeben verursache – und dass Milch von indischen Kühen Spuren von Gold enthalte. Auch seien Menschen, die in Häusern mit von Kuhfladen bedeckten Wänden leben, 1984 von einem schlimmen Gasaustritt verschont geblieben. Wie auch immer, die Behörde nahm die Lehrmaterialien zweitweise von ihrer Internetseite, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Neu Delhi sagte.

An der einstündigen Online-Prüfung am 25. Februar könnten auch Ausländer teilnehmen, heißt es auf der Internetseite. Für erfolgreiche Prüfungsteilnehmer gebe es einen attraktiven Geldbetrag, sagte ein Behördensprecher. In einer Mitteilung des Ministeriums für Tierhaltung und Milchwirtschaft heißt es zum Lernmaterial: „Dies wird alle Inder neugierig über Kühe machen und über nicht erschlossenes Potenzial und Geschäftsmöglichkeiten informieren (…).“

Die Politisierung der Kuh

Damit ist der ernste Hintergrund der staatlichen Kuh-Initiative angezeigt: In Indien sind Kühe für die hinduistische Bevölkerungsmehrheit zwar heilig, Kuhmilch, Kuh-Urin und Kuhmist gelten laut traditioneller indischer Ayurveda-Medizin als heilend. Aber viele Bauern setzen alte weibliche Kühe aus, wenn sie keine Milch mehr geben und sich finanziell nicht mehr lohnen. Viele Tiere sterben dann im Straßenverkehr.

Die amtierende indische Regierung hat Kühe zunehmend politisiert, viel Geld für ihren Schutz und für Kuh-Wissenschaft eingesetzt und das Töten dieser Tiere teilweise verboten.