Berlin - Dienstagabend 19.25 Uhr im Kreativhaus, Fischerinsel 3, in Mitte. Im sogenannten Bewegungsraum steht Sigrid Pohl-Häußler mit Kurzhaarschnitt, gewandet in türkis-lila und lächelt in die Runde. Die „Lachyoga“-Trainerin gibt seit fünf Jahren Kurse im Lachclub-Mitte. In dem überschaubaren Raum, der spartanisch mit Holzbänken und grünem Linoleumboden zu sportlichen Aktivitäten einlädt, wird gemeinsam getanzt und kontrolliert geatmet. Und vor allem gelacht.

Jeder tanzt wie er will

Die Teilnehmer stellen sich in einem Kreis auf. Man erkennt schnell, wer neu und wer ein alter Hase ist. Die Erfahrenen lachen sich schon mal ein, die Neuen gucken eher skeptisch und lächeln unbeholfen. Es ist ein „Lachyoga“-Kurs, eine Mischung aus Tanz, Musik und wildem Gelächter ohne Anlass. Die Kombination soll den Körper doppelt entspannen und damit auch positiv auf die Seele wirken. Mit klassischem Yoga allerdings hat diese Idee nichts zu tun. „Ein Kind lacht pro Tag 300 bis 400 Mal einfach so los. Erwachsene lachen nur noch höchstens 15 Mal am Tag“, sagt Sigrid Pohl-Häußler in den Kreis hinein.

Die 68-jährige Rentnerin gibt eine kurze Einführung, danach geht es los mit der Vorstellungsrunde. Was bei den meisten Kursen und Seminaren verkrampft und standardisiert nach dem Schema „Name, Alter, Beruf, Teilnahmegrund“ abläuft, ist hier wider Erwarten recht angenehm. Man wirft sich abwechselnd ein elektronisch lachendes Kuscheltier zu, sagt seinen Namen und macht eine Bewegung und lacht. Die anderen Teilnehmer wiederholen. Kindheitserinnerungen an Spiele werden wach.

Zum Aufwärmen gibt’s den 80er-Jahre Hit „Gloria“ von Laura Branigan, jeder tanzt nach Gusto. Nach der anfänglichen Zurückhaltung drehen die meisten Kursteilnehmer richtig auf. Endlich einmal nicht darauf achten, wie die Haare sitzen, einfach nur unkontrolliert auf und ab hüpfen und mit den Beinen und Armen herumwirbeln.

Die folgende Stunde besteht aus einem recht anstrengenden Programm, bei dem sich Lachübungen mit Dehn- und Atemübungen abwechseln. Zwischendurch steht man im Kreis und klatscht in die Hände der Nachbarn oder in die eigenen und ruft dabei „Ho-Ho-Ha-Ha-Ha!“. Was auf den Neuling wie das Ritual einer sonderbaren Sekte wirkt, fühlt sich nach einer Weile fast normal an. Zudem bekommt fast automatisch gute Laune. Das Lachen funktioniert nun auch ohne Anlass und verfehlt seine Wirkung nicht.

Immer mehr Männer nehmen teil

Wer in seinem Leben schon den einen oder anderen Lachkrampf erlebt hat, weiß es: Lachen tut gut. Man entspannt und kann es mit den Problemen des Alltags besser aufnehmen. Das liegt vor allem an der Endorphin-Ausschüttung und an der gleichzeitigen Reduzierung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin. „Lachen beeinflusst unseren emotionalen Zustand enorm“, sagt Sigrid Pohl-Häußler. „Vor dreieinhalb Jahren ist mein Mann gestorben und ich habe trotzdem weiter Lachyoga gemacht. Es hat mir beim Weinen und bei der Verarbeitung der Trauer geholfen“.

Auch der Körper profitiert: Eine Minute heftiges Lachen hat einen ähnlichen Effekt wie fünfzehn Minuten Joggen. Durch die Bewegung des Zwerchfells werden die Verdauungsorgane und der Stoffwechsel angeregt, das Blut wird mit Sauerstoff angereichert und das Herz wird gestärkt.

Dr. Madan Kataria nutzte die positiven Effekte des Lachens und gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachclub. Der indische Arzt hat einen Trend ins Rollen gebracht, der heute in über 60 Ländern und in knapp 6000 Lachclubs zelebriert wird. Auch Sigrid Pohl-Häußlers Lachkurs im Kreativhaus hat viele Teilnehmer. Heute sind es fünfzehn, in manchen Wochen sogar zwanzig Menschen, die in dem kleinen Raum miteinander lachen. „Im Moment haben wir sehr viele Neue“, sagt Sigrid Pohl-Häußler. „Am Anfang waren es vor allem Frauen, mittlerweile kommen immer mehr Männer.“

Am Ende erschöpft

Aber was sind das für Menschen, die zum Lachen in eine Gruppe gehen? „Die Themen Wohlbefinden und Entspannung haben im Moment Hochkonjunktur. Immer mehr Menschen sehnen sich nach zwanglosem Glücklichsein und wollen dies nicht nur alleine erleben, sondern miteinander“, sagt Pohl-Häußler. Kann ein wöchentlicher Termin zum Gruppenlachen die Lösung sein?

Am Ende der Stunde liegen die meisten Teilnehmer jedenfalls erschöpft auf ihren Yogamatten. Sie wirken, als ob sie eine Stunde lang sehr konzentriert Sport getrieben hätten. Das Lachen klingt aus und wird zu einem Kichern. Es ist nun echte Freude.

Der Lachclub Mitte trifft sich dienstags, 19.30 Uhr und donnerstags, 19 Uhr im Kreativhaus, Fischerinsel 3. Eintritt: Fünf Euro.

Infos unter www.kreativhaus-berlin.de/ web/lachen-verbindet