Seit März gibt es Cannabis auf Rezept. Schwerkranke können sich das Hanfprodukt verschreiben lassen und in der Apotheke kaufen. Eigentlich. Denn viele Apotheken haben das medizinische Cannabis derzeit nicht im Angebot. Es gibt massive Lieferengpässe.

Apotheker berichten, dass kein oder kaum medizinisches Cannabis vorrätig haben. Die ausländischen Zulieferer können den Bedarf zurzeit nicht decken. „Von zehn Hanfpräparaten kann ich derzeit nur eines anbieten“, sagt etwa der Mainzer Apotheker Martin Schmidt auf tagesschau.de. Damit könne er gerade mal seine Stammkunden versorgen. Auch in Berlin und Köln klagen Betroffene, dass sie kaum oder nur sehr schwer ihre Rezepte für medizinisches Cannabis einlösen können.

Nachfrage nach medizinischem Cannabis kann derzeit nicht gedeckt werden

Seit dem 10. März dürfen sich Menschen mit schweren Erkrankungen wie Morbus Crohn, Multipler Sklerose und Krebs und Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, Cannabis zu Therapiezwecken verschreiben lassen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse, das regelt das im Januar beschlossene sogenannte Cannabis-Gesetz. Zuvor hatten nur etwa 1000 Schwerkranke in Deutschland eine Sondergenehmigung für die medizinische Cannabis-Nutzung. Wie viele es mittlerweile sind, darüber gibt es keine Zahlen. Klar ist jedoch, die Nachfrage ist höher als das Angebot.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) spricht von einem bundesweiten Lieferengpass. „Eine der 14 Sorten, die zugelassen sind, soll ab Ende Juli wieder verfügbar sein. Bei den anderen Sorten werden die Lieferengpässe noch bis September anhalten“, sagt ABDA-Pressesprecherin Ursula Sellerberg der Berliner Morgenpost.

Cannabis-Engpass tragisch für die Betroffenen

Dass die Nachfrage nach medizinischem Cannabis enorm gestiegen ist, bestätigen auch die Importeure der Cannabis-Medikamente. Sie beziehen die Hanf-Medikamente von zertifizierten Anbaubetrieben aus Kanada, den USA und den Niederlanden.

Obwohl man sich darauf eingestellt habe, könne man derzeit keine ausreichenden Mengen liefern, heißt bei der Pedianos GmbH, dem führenden Importeur und Vertreiber für medizinisches Cannabis in der EU. Die Lager seien leer, erklärt David Henn, Geschäftsführer von Cannamedical, einer weiteren Importfirma mit Sitz in Köln. „Als Grund für die Verzögerung wurde uns die um 300 Prozent gestiegene Nachfrage genannt“, sagte Henn dem Kölner Express.
Anders als chemische Wirkstoffe könne man bei pflanzlichen Arzneimitteln das Wachstum nicht beschleunigen, begründet ABDA-Sprecherin Sellerberg. Für die Betroffenen sei das tragisch. (ef)