Berlin - Aufregen kann man sich nach den neuen Corona-Beschlüssen, so viel wie man will. An der Entscheidung der Politiker lässt sich vorerst nichts ändern. Viele Menschen kritisieren zum Beispiel, dass mit den Öffnungsschritten nicht genug getan wurde und fordern mehr – vor allem mehr Perspektiven für mehr Planungssicherheit. 

Andere sehen in den Öffnungsplänen des Bundes und der Länder den größten Fehler, den man bei den aktuell steigenden Neuinfektionszahlen und den Virusmutationen hätte machen können. Egal in welche Richtung die Kritik geht: Letztendlich liegt es auch in der Hand eines jeden Menschen, das hiesige Infektionsgeschehen einzudämmen.

Es sind einzelne, manchmal auch vermeidbare Kontakte, die sich zu Clusterereignissen entwickeln können. Einzelne Handlungen, die den deutlich ansteckenderen Virusvarianten Wege ebnen. Hinein in die Haushalte, die Familien und WGs, in Schulen, Heime, Kitas – oder nun auch: in Friseurläden, Blumengeschäfte und andere Betriebe.

Was darf also unter keinen Umständen passieren? Sich in Sicherheit wiegen. Das mag im ersten Moment banal klingen. Aber ganz so einfach wird es den Menschen nicht gemacht. Zum Beispiel mit den zugelassenen Selbsttests, die man ab diesem Wochenende bei Aldi und bald schon auch in anderen Geschäften kaufen kann. 

Selbsttests: Sicherheit nur für den Moment

Es gibt eine Theorie, die besagt, dass Menschen ihr Verhalten an das wahrgenommene Risiko anpassen. Sich also vorsichtiger verhalten, wenn sie ein höheres Risiko verspüren – oder unvorsichtig werden, wenn sie sich besser geschützt fühlen. Forschende bezeichnen dies als Risikokompensation oder den Peltzman-Effekt, benannt nach dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Samuel Peltzman. Der Mechanismus ist immer derselbe: Eine Sicherheitsmaßnahme, zum Beispiel der Sicherheitsgurt im Auto, verleitet den Menschen dazu, mehr Risiko einzugehen, in diesem Fall: schneller zu fahren. Diesen Effekt konnte man vielerorts auch bei den Corona-Maßnahmen beobachten. Nur weil man einen Mund-Nasen-Schutz trägt – also eine Sicherheitsmaßnahme getroffen hat – heißt es nicht, dass es kein Infektionsrisiko mehr gibt.

Und das gilt auch für die Selbsttests. Sie sind ohne Frage ein gutes Mittel, infizierte Menschen mit einer hohen Viruslast zu erkennen. Sie können sehr nützlich sein, zum Beispiel unmittelbar vor dem Besuch der Eltern oder Großeltern oder wenn man erste Krankheitssymptome zeigt. Doch der Test ist immer nur so gut wie seine Durchführung. Je gewissenhafter er gemacht wird, desto genauer ist das Ergebnis. Und das kann am nächsten Morgen schon wieder anders ausfallen, weil die Tests immer nur eine Momentaufnahme sein können.

Im April wieder im Lockdown?

Wie schön ist es da doch, endlich ein bisschen Sonne genießen zu können. Nach dem sich ewig anfühlenden Lockdown will man einfach nur raus. Mit den Kleinsten auf den Spielplatz zum Beispiel. Oder Freunde zum Feierabendbier an der Spree treffen – immer mit den Corona-Verhaltensregeln im Hinterkopf: Abstand halten, Hände desinfizieren und auch die Maske unbedingt aufbehalten, weil man spätestens nach 15 Minuten in der Aerosolwolke des anderen steht. Je mehr Menschen man trifft, desto größer wird das Risiko, sich anzustecken oder das Virus selbst weiterzuverbreiten. 

Grüppchenweise und regelmäßig dürfen sich wieder Kinder und Jugendliche in Kitas oder Schulen treffen. Ein Segen für viele. Studien haben ergeben, dass Minderjährige meist nur asymptomatische oder sehr milde Covid-19-Verläufe haben. Eine Infektion kann daher unbemerkt bleiben. Umso öfter sollten Erwachsene vor allem Kinder darauf aufmerksam machen, auf ihren Körper zu hören und selbst wenn die Nase läuft, Bescheid zu geben und vor allem zu Hause zu bleiben.

Nach wie vor heißt es: Geduld bewahren, ein bisschen mehr die Zähne zusammenbeißen. Wenn die Menschen jetzt anfangen, sich weniger vorsichtig zu verhalten, könnten wir vielleicht schon Ende März, spätestens Anfang April, wieder im Lockdown enden. Die neuen Virusvarianten machen es ohnehin nicht leicht. Natürlich muss die Politik endlich aufs Gas drücken – zum einen was das Impfen angeht, zum anderen muss die Kontaktverfolgung klappen und die Teststrategie aufgehen. Doch bei dem Bestreben, die Infektionszahlen wieder zu drücken und auch unten zu halten, kommt es auf jeden Einzelnen von uns an.