Berlin - Statt auf mobile Luftreiniger sollten Schulen Experten zufolge besser auf sinnvollere langfristige Lösungen setzen. „Fest installierte Lüftungsanlagen sind auch nach der Corona-Pandemie noch von großem Nutzen“, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes (Uba), Dirk Messner, der Deutschen Presse-Agentur. Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie häufig nur geringe Geräusche im Klassenzimmer und ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Kurzfristig stehe ohnehin eine ebenso simple wie hoch effektive Lösung im Vordergrund: regelmäßiges Lüften.

Derzeit ist unklar, wie es für die Schüler in den nächsten Wochen weitergeht. Bund und Länder hatten ihre Entscheidung über das weitere Vorgehen im Zuge der Corona-Pandemie auf den kommenden Mittwoch (25. November) verschoben.

Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt (Uba) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger kein Ersatz für ausreichendes Lüften seien. Sie seien nur dort eine sinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werden könnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme infrage kämen. Luftreiniger mit speziellen Filtern sammeln Viruspartikel aus der hindurchströmenden Luft, andere Geräte sollen Erreger etwa mittels UV-Licht abtöten.

Lüften funktioniert am besten

Etliche Hersteller preisen ihre Luftreiniger derzeit als ideale Lösung unter anderem für die rund 33.000 Schulen bundesweit an, in einigen Klassenzimmern sind solche Geräte bereits im Einsatz. Wenn für einen mobilen Luftreiniger angegeben werde, dass er 99,99 Prozent der Viren herausfiltere, sei dies in Bezug auf eine Virenlast im Raum nicht erreichbar, erklärte Messner. „In der Praxis können 80 bis 90 Prozent erreicht werden, wenn die Reinigung lange genug erfolgt und das Gerät im Raum richtig aufgestellt ist.“ Von einem entfernt davon sitzenden infizierten Schüler oder Lehrer abgegebene Viruspartikel gelangten unter Umständen aber erst nach längerer Zeitdauer zum Gerät.

Viele Menschen hofften in der Corona-Pandemie auf technische Lösungen, erklärte Messner. Luftreiniger könnten dazu verführen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. „Und so übersimpel und steinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüften funktioniert nun mal am besten.“ Erreger verschwänden nach draußen, ebenso das für Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sorgende Kohlendioxid, gesundheitsschädliche Stoffe, die aus Materialien im Klassenraum ausdünsten, und auch Feuchte, die zu Schimmel führen könne.

Aber offene Fenster bei kalter Außenluft sorgen für Erkältungen, oder? Diese Sorge sei unberechtigt, hatte der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing kürzlich erklärt. Im Gegenteil sei es wahrscheinlicher, sich in einem schlecht gelüfteten Raum bei anderen anzustecken. Denn Luftaustausch hält nicht nur die Menge an Sars-CoV-2 klein, sondern auch die anderer möglicherweise vorhandener Erreger wie Grippeviren oder Bakterien.

Schulen mit Anlagen ausstatten

Die Ansteckungsgefahr in Schulen grundsätzlich und nachhaltig zu senken, könne mit fest installierten zentralen Lüftungsanlagen erreicht werden, sagte Messner. „Es ist seit Jahren Forderung des Uba, Schulen damit auszustatten.“ Bei einem Neubau entfielen nur wenige Prozent der Bausumme auf eine solche Anlage.

„Als rasche Maßnahme empfehlen sich Zu- und Abluftanlagen für einzelne Klassenräume“, ergänzte Messner. Professionelle Modelle mit Wärme- und Feuchterückgewinnung könnten an der Fensterfront angebracht werden. „Das wäre zeitnah umzusetzen und hält viele Jahre“, so der Uba-Präsident. Auch improvisierte Abluftanlagen aus Baumarktmaterialien könnten Abhilfe im Klassenraum schaffen, wie ein Vorschlag der Max-Planck-Gesellschaft gezeigt habe. Bei den mobilen Luftreinigern hingegen sei unklar, wie lange sie nach der Pandemie überhaupt noch eingesetzt werden. Auch aus Umweltgesichtspunkten seien Lüftungsanlagen daher besser.