Eine Kolonie von Riesenhonigbienen der Art Apis dorsata
Foto:  www.elephantcorridorfilms.com

BangaloreLuftverschmutzung schädigt nicht nur die Gesundheit des Menschen, sondern auch die von Bienen und anderen Insekten. Einer Studie aus Indien zufolge verringern mittlere und hohe Feinstaubkonzentrationen bei Riesenhonigbienen (Apis dorsata) die Zahl der Blütenbesuche. Sie beeinträchtigen darüber hinaus etliche Körperfunktionen und steigern die Sterberate, wie die Forscher im Fachmagazin PNAS berichten. Versuche an Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) bestätigten die Beobachtungen und deuten darauf hin, dass sie auch für andere Insekten gelten.

Indien bietet sich für solche Untersuchungen an, denn das Land ist einer der wichtigsten Obst- und Gemüseproduzenten der Welt, gleichzeitig verortete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2019 dort neun der zehn weltweit am stärksten verschmutzten Städte.

Das Team um Geetha Thimmegowda und Shannon Olsson vom National Centre for Biological Sciences in Bangalore untersuchte drei Jahre lang mehr als 1800 Riesenhonigbienen an vier unterschiedlich stark belasteten Orten der 13-Millionen-Einwohner-Metropole. Diese Bienenart lebt auch in Städten, produziert mehr als 80 Prozent des indischen Honigs und bestäubt mindestens rund 700 verschiedene Pflanzen. „Zusammen mit ihrer landwirtschaftlichen und ökologischen Bedeutung macht sie ihr häufiges Auftreten in Städten zu einer hervorragenden Art, um den Einfluss städtischer Luftverschmutzung auf ihre Funktionen im Ökosystem zu untersuchen“, schreiben die Forscher.

Das Team konzentrierte sich auf vier unterschiedlich stark mit Feinstaub belastete, aber sonst vergleichbare Orte. Die gering belasteten Areale hatten mittlere Konzentrationen von Feinstaub einer Korngröße unter 10 Mikrometern von 28 und 34 Mikrogramm pro Kubikmeter. Am mäßig belasteten Ort waren es 46 Mikrogramm und am stark belasteten 99 Mikrogramm. Der Grenzwert liegt in Indien bei 60 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Bienenflügel unter dem Mikroskop: Der obere Teil der Aufnahme zeigt den Flügelteil einer Biene, die in relativ sauberer Umgebung im indischen Bangalore auf Nahrungssuche war. Die länglichen Gebilde sind Pollen. Die untere Bildhälfte zeigt den Flügelteil einer Biene, die in verschmutzter Luft unterwegs war. Auf ihrem Flügel haben sich viele kleine Staubpartikel abgelagert. 
Foto: Geetha Thimmegowda

An den jeweiligen Arealen sammelten die Forscher die hornissengroßen Bienen stets morgens an den Blüten von Gelben Trompetenblumen (Tecoma stans), die ganzjährig blühen und von Riesenhonigbienen bestäubt werden. An den mäßig und stark belasteten Orten registrierten die Forscher weniger Blütenbesuche durch Bienen. Zudem starben die dort eingesammelten Bienen deutlich schneller als die Tiere aus Gegenden mit besserer Luftqualität - mehr als 80 Prozent von ihnen starben trotz Fütterung binnen 24 Stunden.

Untersuchungen von Beinen, Flügeln und Antennen belegten, dass die dort gesammelten Tiere tatsächlich wesentlich stärker mit Feinstaub belastet waren. Zudem wiesen sie mehr Metalle wie etwa Arsen, Blei, Wolfram und Aluminium auf. „Das lieferte den ersten direkten Beleg dafür, dass erhöhte Feinstaub-Werte an unseren Versuchsorten auch mit einem erhöhten Kontakt mit Giftstoffen verbunden ist“, betonen die Forscher. Unterschiede fanden sie zudem unter anderem bezüglich der Atmung, der Zahl der Blutzellen, der Immunreaktionen sowie in der Aktivität etlicher Gene, die etwa an Stoffwechsel oder Immunsystem beteiligt sind.

Die Aufzucht von Fruchtfliegen an den jeweiligen Versuchsorten bestätigten die meisten schädlichen Auswirkungen der Luftbelastung. Daher gehen die Forscher davon aus, dass die gefundenen Probleme tatsächlich auf die schlechte Luft zurückgehen und nicht nur Bienen betreffen, sondern auch andere Insekten. Sie betonen, dass die Effekte schon bei der mäßigen Feinstaubbelastung von etwa 50 Mikrogramm pro Kubikmeter auftraten. Die Forscher mahnen daher dringend an, die Auswirkungen von Feinstaub sowohl auf die Gesundheit des Menschen als auch auf die von verschiedenen Tieren eingehender zu untersuchen. (dpa/fwt)

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