London/Gough Island - Zuerst die gute Nachricht: Der Kleine Entensturmvogel (Pachyptila salvini) gehört nicht zu den gefährdeten Tierarten. Der weltweite Bestand wird auf zwölf Millionen geschlechtsreife Individuen geschätzt, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf dem offenen Meer in den subantarktischen Regionen von Südafrikas bis nach Neuseeland. Gebrütet wird vornehmlich auf den Inseln im Süden und Südwesten des Indischen Ozeans. Und damit wären wir bei den schlechten Nachrichten: Auf Gough Island haben Mäuse in diesem Jahr erneut Dutzende Nester einer Unterart des Kleinen Entensturmvogels (Pachyptila salvini macgillivrayi) geplündert.

Die Mäuse fressen die gerade geschlüpften Küken

Das teilte die britische Vogelschutzorganisation Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) am Mittwoch in London mit. Die genauen Zahlen: Von 50 überwachten Nestern habe nur ein Küken überlebt – alle anderen seien, kaum dass sie geschlüpft waren, von den räuberischen Nagern gefressen worden. Dem verbleibenden Küken räumt die RSPB keine großen Überlebenschancen ein. Eine Studie, die gerade in der Zeitschrift Animal Conservation veröffentlicht wurde, sagt voraus, dass der Bestand – derzeit sind es 175.000 Exemplare – wegen der Mäuse jedes Jahr um neun Prozent zurückgehen werde und der Kleine Entensturmvogel bis 2057 auf Gough Island ausgestorben sei.

Foto: dpa/Rspb/PA Media
Dieses eine Küken überlebte den neuerlichen Angriff der Mäuse auf Gough Island.

Wenn die Mäuse allerdings ausgerottet würden, so die RSPB, bestünde eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich die Population der nachtaktiven, in Höhlen brütenden Vögel wieder erholt. Zum Hintergrund: Die Mäuse kamen im 19. Jahrhundert mit Walfängern auf die Insel, die rund 2600 Kilometer westlich von Kapstadt liegt und zum britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha gehört. Die invasiven Nager sind eine große Bedrohung für die insgesamt acht Millionen Brutvögel, die auf Gough Island leben, betroffen ist zum Beispiel auch der vom Aussterben bedrohte Tristan-Albatros. Kurzum, es geht um ein menschengemachtes Problem, das nur vom Menschen gelöst werden kann. 

Eigentlich sollte auf der Insel bereits 2020 mit der Ausrottung der Mäuse begonnen werden, die übrigens auch erwachsene Vögel angreifen und damit zwingen, ihre Nester zu verlassen. Doch die Corona-Pandemie verzögerte die Rettungsmaßnahme. Die RSPB dringt auf schnelle Lösung: Seit Beginn der Beobachtung vor sieben Jahren seien aus 370 Nestern nur 21 Küken flügge geworden. Tendenz fallend.