ExeterWeibliche Mangusten zetteln gelegentlich Kämpfe zwischen ihrer eigenen und einer benachbarten Gruppe an. Sie nutzen das Getümmel, um sich in einem unbeobachteten Moment mit einem fremden Männchen zu paaren. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „PNAS“. Die Weibchen profitierten von den Kämpfen, während vor allem die männlichen Gruppenmitglieder bei den Kämpfen gelegentlich verletzt oder sogar getötet würden.

Eines der Ziele der Forscher um Rufus Johnstone von der University of Cambridge in Großbritannien war es, den Ursachen von Konflikten auf den Grund zu gehen. Auch in menschlichen Gesellschaften seien kriegerische Auseinandersetzungen häufig – und häufig würden sie von einem Führer initiiert, der im Gegensatz zu den Kämpfenden einen geringen Preis zahlen müsse.

Die Wissenschaftler werteten Daten von Zebramangusten (Mungos mungo) aus dem Queen Elizabeth National Park in Uganda aus. Insgesamt lagen Angaben aus 16 Jahren Beobachtungszeit vor. Mangusten sind soziale Tiere, die in Gruppen von etwa 20 Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs zusammenleben. Die Weibchen einer Gruppe werden mehr oder weniger gleichzeitig empfängnisbereit, mehrere Weibchen bringen am gleichen Tag die Jungen in unterirdischen Höhlen zur Welt.

Der Trick: für Unruhe sorgen

Die Männchen bewachen die Weibchen während der empfängnisbereiten Zeit genau. Sie laufen ihnen tagelang ununterbrochen hinterher – die Nase stets am Hinterteil des Weibchens. Die Weibchen aber haben anscheinend einen Weg gefunden, dieser Bewachung gelegentlich zu entgehen, berichten die Forscher: Sie sorgten für Unruhe. Dazu leite das anführende Weibchen die Gruppe in den Lebensraum einer benachbarten Gruppe. Begegnungen mit anderen Mangusten-Gruppen verliefen immer aggressiv. Teils marschierten die Tiere in Formation in den Kampf und attackierten den Gegner kratzend und beißend. Regelmäßig starben dabei Tiere – und zwar fast ausschließlich Männchen, wie die Datenauswertung der Forscher zeigte.

Die Weibchen hätten aber nicht nur keinen Schaden, sondern sogar einen Nutzen von den kämpferischen Auseinandersetzungen: Genetische Analysen zeigten, dass mit der Zahl der Fremd-Begegnungen die Zahl des Nachwuchses stieg, den sie im Verlauf ihres Lebens bekamen – und zwar bei den Weibchen stärker als bei den Männchen. Die Weibchen bekamen zudem häufiger Nachwuchs von gruppenfremden Vätern.

Die Männchen werden von den empfängnisbereiten Weibchen in einen Konflikt gedrängt, von dem sie selbst nicht profitieren, fassen die Forscher zusammen. Die Weibchen präsentierten sich nicht als heroische, sondern als ausbeuterische Anführer. Da die ungleiche Verteilung von Kosten und Nutzen auch ein Kennzeichen der komplexen kriegerischen Auseinandersetzungen des Menschen seien, sei es möglich, dass ähnliche Prozesse wie die bei den Mangusten gefundenen auch zur destruktiven Natur menschlicher Kriegsführung beitrügen. (dpa/fwt)