Köln - Die SPD-Politikerin Manuela Schwesig ist an Brustkrebs erkrankt. Damit zählt sie zu zehntausenden Betroffenen in Deutschland. Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten erkranken jedes Jahr rund 69.000 Frauen neu an Brustkrebs. Es ist die häufigste Krebsart bei Frauen.

Die meisten Brustkrebskranken haben heute eine gute Überlebenschancen, was an besseren medizinischen Behandlungsmethoden, aber auch an der besseren Früherkennung der Krankheit liegt. Was Frauen über Brustkrebs wissen müssen und was sie selbst zur Vorsorge machen können.

Wie entsteht Brustkrebs?

Warum Brustkrebs entsteht, ist wissenschaftlich noch unklar. Geklärt ist dass eine Veränderung im Erbgut einer Zelle dazu führt, dass sie sich immer wieder vermehrt und die natürliche Teilungshemmung verloren geht. Es gibt aber Risikofaktoren, heißt es im „blauen Ratgeber Brustkrebs“ der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft. „Der individuelle Lebensstil und Umwelteinflüsse können die Entstehung von Brustkrebs beeinflussen.“

Dazu gehört die Behandlung mit weiblichen Hormonen in Hormonersatztherapien, fettreiche Ernährung, Übergewicht, mangelnde Bewegung, der übermäßige Konsum von Tabak und Alkohol. Frauen können ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken, also durch ihren Lebensstil beeinflussen. Das Risiko steigt jedoch mit dem Alter.

Welche Rolle spielt es, wenn schon jemand in der Familie Brustkrebs hatte?

Bei fünf bis zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen entstehe die Krankheit durch eine erbliche Belastung. Doch die Krankheit tritt nicht nur bei Frauen auf. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkranken jährlich etwa 600 Männer neu an Brustkrebs. Besonders gefährdet seien Männer, die aus einer vorbelasteten Familie stammen. Wenn nahe Verwandte wie Schwester, Mutter oder Tante bereits an Brustkrebs erkrankt waren, steigt auch das persönliche Risiko einmal im Leben Brustkrebs zu bekommen, heißt es im Ratgeber der Deutschen Krebshilfe.

Wie kann man Krebs erkennen?

Auch bei Brustkrebs gilt: Je früher die Krankheit entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Für Frauen ab 30 Jahren ist die jährliche Tastuntersuchung der Brust beim Frauenarzt kostenlos, für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren wird alle zwei Jahre eine Mammografie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Bei dieser Röntgenuntersuchung können Spezialisten schon kleine Veränderungen in der Brust erkennen. Doch nicht jede Veränderung, Verhärtung oder jeder Knoten in der Brust ist Krebs. Knoten können gutartig sein – zum Beispiel Fettgeschwülste oder mit Flüssigkeit gefüllte Zysten, erklärt die Deutsche Krebsgesellschaft auf ihren Seiten. Frauenärzte können die Brust auch mit einem Ultraschall untersuchen.

Was können Frauen selbst tun?

Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt Frauen, die eigene Brust regelmäßig abzutasten. Es könne dabei helfen, „das eigene Körperbewusstsein und das Gefühl für die eigene Brust zu verbessern“. Die Brust sollte dabei immer im gleichen Zeitpunkt des Zyklus' abgetastet werden, da Veränderungen des Gewebes während des Zyklus normal sind. Eine wissenschaftliche und systematische Methode, die Brust abzutasten, ist „MammaCare“.

Frauen sollten ihre Brust jeden Monat am dritten bis siebten Tag nach der Periode abtasten. Frauen, die keine Menstruation mehr haben, sollten sich einen festen Tag im Monat aussuchen. Bei der „MammaCare“-Methode sollten sich Frauen erst im Spiegel betrachten, um zu schauen, ob Größe, Form, die Haut oder die Brustwarzen sich verändert haben. Die Brust selbst sollte mit den flachen Zeige-, Mittel- und Ringfingern in kreisförmigen Bewegungen abgetastet werden, beginnend auf Höhe der Achselhöhle. Für die „MammaCare“-Methode gibt es Kurse.

Eine weitere Möglichkeit für Frauen bietet die Initiative „Discovering Hands“. Sie bildet blinde Frauen zu medizinischen Tastuntersucherinnen aus. Die Idee dahinter: Wegen dem besonders gut ausgeprägten Tastsinn können die Frauen, selbst kleine Veränderungen erkennen.

Was, wenn die Diagnose Brustkrebs lautet? Wie schnell muss man reagieren?

„Die Diagnose Brustkrebs ist normalerweise kein medizinischer Notfall, der sofortiger Behandlung bedarf“, heißt es auf der Seite des Krebsinformationsdienstes. Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt, dass sich Frauen über die Behandlungsmöglichkeiten informieren sollten. Wichtig sei, dass Klinik und Ärzte auf die Behandlung der eigenen Krebserkrankung spezialisiert seien. 

Ärzte und auch die Krankenkasse müssen Betroffene über „erforderliche Untersuchungen, Behandlungen und Diagnose umfassend und verständlich informieren“, heißt es in dem Ratgeber der Deutschen Krebsgesellschaft.

Wie ist die Prognose nach einer Diagnose?

Brustkrebs hat eine gute Heilungschance. Fünf Jahre nach der Diagnose leben statistisch gesehen noch 87 Prozent aller erkrankten Frauen. Wie gut der Brustkrebs behandelt werden kann, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Die Größe des Tumors spielt eine Rolle und ebenso, ob er in umliegendes Gewebe gewachsen ist oder bereits in andere Bereiche des Körpers gestreut hat.

Wie wird Brustkrebs behandelt?

Die Deutsche Krebsgesellschaft informiert in ihrem Ratgeber, dass bei Brustkrebs meist ein chirurgischer Eingriff nötig ist. Neben einer Operation können auch Bestrahlungen, eine Chemotherapie, eine Therapie mit zielgerichteten Medikamenten oder eine Antikörpertherapie in Frage kommen.

Was, wenn es keine Chance auf Heilung gibt?

Kann der Krebs nicht mehr geheilt werden, werden Betroffene palliativ behandelt. Diese Therapie hat nicht mehr das Ziel der Heilung, sondern versucht, die Beschwerden und den Krebs einzudämmen. (rha)