Rostock - Summ, summ: Die Bienen in Mecklenburg-Vorpommern sind einigermaßen gut durch den Winter gekommen. Das vermeldet der zuständige Landesverband der Imker am Montag. „Wir haben einen Verlust von 14,3 Prozent der Völker, das ist in Ordnung“, erklärte der Vorsitze Carsten Fischer. Etwa 500 der landesweit rund 3000 Imker hatten an der nicht-repräsentativen Winterumfrage teilgenommen. Insgesamt gibt es im Land laut Verband etwa 28.000 Bienenvölker. Das größte Problem bleibt Fischer zufolge allerdings nicht das Wetter, sondern die Varroamilbe. „Sie ist der große Feind.“

Die Varroamilbe saugt die Bienenlarven aus

Varroa destructor, so der wissenschaftliche Name, ist eine etwa 1,1 Millimeter lange und 1,6 Millimeter breite Milbe und lebt als Parasit an Honigbienen. Sie entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Dort saugt sie das Blut der Larven, die nährstoffreiche Hämolymphe, aus – die ausgeschlüpften Tiere bleiben deutliche kleiner als gesunde, sie haben eine kürzere Lebensspanne, schlechtere Lernleistungen und kehren häufig nicht in den Stock zurück. Erwachsene Bienen weisen nach dem Befall ein geschwächtes Immunsystem auf und kommen nicht durch den Winter.

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Und los geht’s: Bienenstöcke an einer blühenden Wiese.

Wehrlos sind die Imker zwar nicht, allerdings bedeute der Kampf gegen den Schädling viel Arbeit. „Aber als Imker hat man auch Verantwortung“, sagte Fischer. So ist eine chemische Bekämpfung des Parasiten durchaus möglich, belastet allerdings die Umwelt, zudem können sich Rückstände auch in Wachs und Honig ansammeln. Und nicht zuletzt sind mittlerweile zahlreiche Populationen von Varroa destructor gegen die Präparate resistent. Mühsamer, aber verträglicher ist der Einsatz von Ameisen- und Milchsäure sowie gift- und säurefreier mechanischer Mittel wie Drohnenrahmen und Fangwaben.

Fischer selbst hat nach eigenen Angaben 21 Völker. Wie bei fast allen Imkern sei das aber ein Freizeitvergnügen, kaum jemand mache das hauptberuflich. Allerdings halte der „Bienen-Hype“ in Mecklenburg-Vorpommern an, so Fischer. 400 Neu-Imker stünden auf der Warteliste für die Anfängerkurse, die derzeit wegen der Corona-Pandemie aber nicht angeboten werden. Teilweise sollen die Kurse nun online und in Kleingruppen organisiert werden, sagte Fischer. Er werde oft gefragt, wann man sich wieder treffen könne. Das Vereinsleben fehle vielen.

Raps, Sonnenblumen, Ackerbohnen, Blühflächen

Und wo ziehen die Bienen jetzt hin? Raps bleibt laut Fischer weiterhin die „Brotpflanze“ der Imker, obwohl davon immer weniger angebaut wird. Rapshonig sei immer noch der gefragteste, je weißer in der Farbe, desto beliebter. „Ich habe aber Verständnis für die Bauern, wenn sich der Anbau nicht mehr lohnt. Die müssen ja auch von etwas leben.“ Dafür kämen andere Pflanzen dazu, zum Beispiel Sonnenblumen oder Ackerbohnen. „Das ist alles noch nicht die Masse, aber wir brauchen ja auch von April bis September etwas, was blüht.“

Denn während die Sommerbienen nur einige Wochen leben, müssten die Winterbienen vom Herbst bis ins Frühjahr durchhalten, so Fischer, und dafür brauchten sie die entsprechenden Vorräte. Die würden sie mittlerweile auch auf den sogenannten Blühflächen besorgen, die Landwirte zum Teil mit Förderung des Landwirtschaftsministerium anlegen können. (mit dpa)