Bild aus dem späten Winter: der Isfjord auf der Westseite von Spitzbergen. Zurzeit gibt es dort kein Meereis.
Foto: imago images/Nature Picture Library

BoulderDas Meereis in der Arktis ist auf die zweitniedrigste Ausdehnung seit Beginn der Messungen vor rund 40 Jahren geschrumpft. Mit 3,74 Millionen Quadratkilometern sei in der vergangenen Woche wahrscheinlich das Minimum für dieses Jahr erreicht worden, teilte das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) der USA in Boulder im Bundesstaat Colorado am Montag (Ortszeit) mit.

Die Satellitenaufzeichnungen, die seit 1979 erfolgen, zeigen, dass es lediglich im Jahr 2012 schon mal noch weniger Meereis war. Damals erstreckte sich das arktische Meereis über 3,41 Millionen Quadratkilometer. Aus den Daten geht auch hervor, dass es im Zeitraum der Aufzeichnungen in jedem Jahrzehnt eine durchschnittliche Reduktion um 13 Prozent gab. Dass das arktische Meereis im Sommer schrumpft und sich im Winter wieder ausdehnt, ist normal. Was jedoch zu denken gibt: Die 14 Rekordminima ereigneten sich dem NSIDC zufolge in den vergangenen 14 Jahren.

Im nun beginnenden Herbst sei zu erwarten, dass sich die Eisfläche wieder vergrößert – weil die Sonnenscheindauer und die Temperaturen abnehmen. „Es war ein verrücktes Jahr im Norden, mit Meereis in der Nähe eines Rekordtiefs, Hitzewellen mit knapp 40 Grad in Sibirien und massiven Waldbränden“, sagt NSIDC-Chef Mark Serreze. „Das Jahr 2020 wird als Ausrufungszeichen in einem Abwärtstrend bei der Ausbreitung des arktischen Meereises stehen. Wir steuern auf einen saisonal eisfreien Arktischen Ozean zu, und dieses Jahr ist ein weiterer Nagel im Sarg.“

Das Minimum im Sommer wird kleiner: Das arktische Meereis zurzeit (Stand 15. September) und der Durchschnitt für den 15. September in den Jahren 1981 bis 2010 (gestrichelte Linie).
Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: National Snow and Ice Data Center

Das Schrumpfen des Meereises zeige, wie massiv die Zerstörung unseres Planeten durch die Klimaerhitzung voranschreitet, kommentierte der Meeresbiologe Christian Bussau von der Naturschutzorganisation Greenpeace. „Wenn die Arktis schmilzt, werden sich die Meere noch stärker erhitzen, das Artensterben wird rasanter zunehmen. Die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise können bald nicht mehr aufgehalten werden.“ Greenpeace fordert, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meere zu Schutzgebieten erklärt werden.