Zürich/München - Aufforstungen könnten einer Studie zufolge in großen Teilen Europas die Niederschlagsmengen erhöhen und so manche Folgen des Klimawandels dämpfen. Vor allem gegen Sommerdürren könne dies vorbeugen, berichten Forscher um Ronny Meier von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) nach der statistischen Auswertung von Wetterdaten in der Zeitschrift Nature Geoscience. Aufforstungen könnten die Regenmengen demnach im Sommer um durchschnittlich 7,6 Prozent steigern – das entspräche 0,13 Millimeter pro Tag.

Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) spricht von einer sehr wichtigen Studie: Sie belege den Zusammenhang zwischen Wäldern und Niederschlägen anhand einer breiten Beobachtungsbasis und betrachte nicht nur die Effekte am Ort einer möglichen Aufforstung, sondern auch, wie sich der Niederschlag in den windabwärts gelegenen Regionen verändern könnte. Allerdings seien viele Zusammenhänge sehr komplex, sagt die Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme, die nicht an der Arbeit beteiligt war. „Unklar ist etwa, inwieweit die gefundenen Zusammenhänge auch mit fortschreitendem Klimawandel noch gelten.“

Hohe Waldbedeckung geht mit mehr Niederschlägen einher

Das Team um Meier prüfte nun anhand von Niederschlagsdaten, wie sich eine Umwandlung von Agrarland – also Feldern und Weiden – in Waldland auf Niederschläge auswirkt. Dabei verglich es in meteorologischen Datenbanken klimatisch ähnliche Areale, die sich in Bezug auf Agrar- und Waldflächen unterschieden. Neben dem Einfluss der Vegetation berücksichtigten die Forscher auch verschiedene Klimaregionen Europas und diverse Geländetypen.

Insgesamt gut 1500 solcher Paare ordneten sie fünf europäischen Regionen zu. In allen Regionen ging eine hohe Waldbedeckung mit mehr Niederschlägen einher. Einzige Ausnahme war das südliche Finnland in den Monaten April bis Juli. Besonders stark war der Effekt in Küstennähe – etwa auf den Britischen Inseln –, mit zunehmend kontinentalem Klima wurden die Auswirkungen schwächer.

Generell betrug der Unterschied zwischen Agrarland und Waldland im Winter 5 bis 15 Prozent, im Sommer war er mit 0 bis 10 Prozent geringer ausgeprägt. Für ganz Europa gehen die Forscher in einem sogenannten realistischen Szenario davon aus, dass gut 14 Prozent der untersuchten Fläche für eine weitere Bewaldung infrage kämen, ohne dass dadurch Einbußen etwa für die Lebensmittelversorgung oder die Artenvielfalt entstünden.

Auch Teile Deutschlands würden profitieren

Dadurch könnte die Niederschlagsmenge auf 27 Prozent der europäischen Fläche um mehr als zehn Prozent steigen, schreiben sie. Besonders stark wäre der Effekt demnach für die Britischen Inseln, West- und Südwestfrankreich, Italien, die östliche Adriaküste südlich bis nach Griechenland und Teile der Iberischen Halbinsel. Profitieren würden aber auch Teile Deutschlands.

„Die durch eine realistische Bewaldung ausgelösten Veränderungen der Niederschlagsmengen haben das Potenzial, einen Teil der Folgen des Klimawandels auszugleichen“, schreibt das Team und verweist vor allem auf den Mittelmeerraum. „Bewaldung könnte eine entscheidende Rolle dabei spielen, sich an die durch den Klimawandel erhöhten Risiken für Sommerdürren anzupassen.“

Allerdings räumt das Team ein, dass die Zusammenhänge auf Beobachtungen beruhen, daher könne man kausale Zusammenhänge nur unter Vorbehalt annehmen. Dennoch: Angesichts der für die kommenden Sommer prognostizierten zunehmenden Trockenheit müsse man mehr Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen der Vegetation richten.