Hunderte Impfgegner demonstrieren in Berlin gegen Pläne des Bundesgesundheitsministers Spahn für eine Impfpflicht.
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BerlinDer nächste größere Masernausbruch wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit im südlichen Prenzlauer Berg ereignen. Denn dort sind nur 89,4 Prozent der schulpflichtigen Kinder gegen die Krankheit geimpft. „Nicht so gut“ nennt das der Pankower Amtsarzt Uwe Peters, was man als klassisches Understatement werten könnte. Denn Peters hält diese Ecke des Bezirks für ein Problemgebiet. Dort wohnten in konzentrierter Menge Impfgegner, sagt Peters. Dazu komme eine weit verbreitete Nachlässigkeit bei den Eltern. „Das Impfen wird vergessen oder aufgeschoben“, sagt Peters.

Im übrigen Bezirk sind deutlich mehr Schulanfänger gegen Masern gewappnet. Am besten steht das nördliche Weißensee da. Das ist der einzige Fleck im Bezirk, an dem zumindest die Kinder im Schulalter die Vorstellungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut erfüllen. Alle anderen liegen darunter.

Amtsarzt Peters hat die entsprechenden Statistiken vor sich auf dem Tisch ausgebreitet. Er leitet das Gesundheitsamt in Pankow. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Impflücke zu schließen, wie er die Werte unter einer Durchimpfungsrate der Bevölkerung von 95 Prozent nennt. Dieser Wert wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die beiden notwendigen Impfungen empfohlen, die üblichweise bei Ein- bis Zweijährigen erfolgen.

Masern-Infektion ist keine harmlose Krankheit

Denn ein solcher Wert biete auch Menschen einen gewissen Schutz, die etwa wegen einer Immunschwäche nicht geimpft werden können (Herdenschutz). Für die erste Masernimpfung lag die Impfquote in Deutschland 2016 bei Schulanfängern bei 97,1 Prozent, für die zweite allerdings nur bei 92,9 Prozent.

Peters wird auch umsetzen müssen, was zurzeit im Bundestag beschlossen werden soll: eine Impfpflicht vor allem an Kitas und Schulen. Am Freitag wurde ein entsprechender Gesetzentwurf erstmals beraten, bis zum Jahresende soll eine Entscheidung fallen. Vorgesehen ist, dass Eltern von März 2020 an nachweisen müssen, dass ihre Kinder geimpft sind, bevor diese Kitas oder Schulen besuchen dürfen. Gleiches soll für Beschäftigte in Schulen, Kitas und medizinischen Einrichtungen gelten. Bei Verstößen sollen die Gesundheitsämter 2500 Euro Bußgeld verhängen und die Kinder vom Kita-Besuch ausschließen.

Masern gelten als ernst zu nehmende Erkrankung. Im Gesetzentwurf heißt es: „Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen. Sie verlaufen schwer und ziehen Komplikationen und Folgeerkrankungen nach sich. Eine Masern-Infektion ist damit anders als verbreitet angenommen keine harmlose Krankheit.

Mehrere hundert Impfgegner demonstrieren in Berlin unter dem Motto „Impfen muss freiwillig bleiben".
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Im Jahr 2018 kam es weltweit zu einer Verdoppelung der Masernfallzahlen. In Deutschland sind neben Kindern auch Jugendliche und Erwachsene von Masernerkrankungen betroffen. Dies zeigt, dass die eigentlich im Kindesalter vorzunehmende Impfung vernachlässigt wurde.“

Über die Notwendigkeit einer Impfpflicht ist in den vergangenen Monaten viel gestritten worden. Die Notwendigkeit von Impfungen gegen Masern wird von Fachleuten dabei allerdings nicht infrage gestellt. Radikale Impfgegner argumentieren meist mit in medizinischer Hinsicht nicht haltbaren Risiken von Impfungen. Fachleute ziehen dagegen nur infrage, ob eine Pflicht tatsächlich zum angestrebten Ziel einer höheren Durchimpfungsrate führen wird.

Bei einer Impfpflicht braucht es zusätzlich eine halbe Arztstelle

Sie argumentieren, dass der Anteil geimpfter Kinder auch ohne Pflicht in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe, und verlangen niedrigschwelligere Angebote zum Impfen, um weitere Erfolge zu erzielen. Cornelia Betsch, Professorin an der Uni Erfurt, sieht die meisten Probleme bei unzureichend geimpften Erwachsenen. Menschen, die einer Impfpflicht kritisch gegenüberstehen, könnten trotzig reagieren. Sie würden in der Folge andere freiwillige Impfungen vermeiden.

Uwe Peters im Gesundheitsamt Pankow ist trotzdem für eine Impfpflicht. „Ich finde es gut, dass im Sinne der Allgemeinheit alle verpflichtet werden sollen“, sagt er. Über die Kinder erreiche man die Erwachsenen. Peters regt an, eigene Impfstätten in den Gesundheitsämtern zu schaffen. „Das wäre vor allem im Hinblick auf erhebliche Impflücken bei jungen Erwachsenen gut.“

Er ist gespannt, ob der Gesetzentwurf durchkommt. Problematisch ist aus seiner Sicht, dass bisher nicht geklärt ist, wer das zusätzlich notwendige Personal bezahlen wird.