Ein Fleischverkäufer in Wuhan.
Foto: AFP/Hector Retamal

BerlinDa sitzen wir nun in unseren Wohnungen oder Häusern, während draußen ein Virus sein Unwesen treibt, das wir der Sorglosigkeit verdanken, mit der wir Menschen uns an anderen Tierarten schadlos halten – ebenso wie die ersten Tuberkulose-Bakterien und bestimmte Pockenvarianten, etliche Grippe- und Erkältungsviren, Sars, Ebola, Salmonellen, Milzbrand und viele multiresistente Bakterienstämme. 

Doch noch während sie sich zu Hause verbarrikadieren, bunkern viele Leute daheim Dosen mit Würstchen und Packungen mit Milch, Eiern oder Hühnerfleisch, die selbst wieder potenzielle Zoonose-Erreger, Spuren von Tier-Krankheiten oder Reste von Antibiotika in sich tragen.

Wilde Erschießungsszenarien

Währenddessen gehen in diesen Zeiten der Corona-Berichterstattung die vielen Folgen unter, die diese Pandemie wiederum für „Nutztiere“ hat. Am verrücktesten sind da wohl die Wechselwirkungen mit dem Schweinefleischmarkt. So sind die Deutschen ja nicht nur Schweinefleischkonsumenten, sondern ebenso fleißige Schweinefleischexporteure; und China zählt zu den Hauptabnehmern. Das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) (die für den Menschen ungefährlich ist) drohte dieses Exportverhältnis empfindlich zu stören.

Nicht zuletzt wegen der Angst, die Chinesen wollten kein deutsches Schweinefleisch mehr importieren, wenn es hierzulande zum Ausbruch der ASP kommen würde, wurde und wird die ASP geradezu panisch bekämpft. Um Wildschweine von Schweineställen fernzuhalten, werden Zäune gezogen, Jagdrechtparagraphen gelockert und wilde Erschießungsszenarien entworfen.

Jubel der Schweineexporteure

In Polen und Rumänien ist die ASP in den vergangenen Wochen bereits in einige Betrieben aufgetreten, es wurden Zehntausende von Mastschweinen, Muttersauen und Ferkeln „gekeult“. Wie mag dieses Gemetzel – ein zehntausendfaches Erschlagen oder Elektroschocken – genau aussehen? In asiatischen Ländern wurden im vergangenen Jahr wiederholt Tausende von Schweinen in eine Grube getrieben und zugeschüttet. Wenn man bedenkt, dass den deutschen Landwirten schon die tierärztliche Narkose für zu kastrierende Ferkel zu teuer ist, kann man sich nicht vorstellen, dass das massenhafte Töten großer, wehrhafter Tiere hierzulande wesentlich „humaner“ abläuft.

Tatsächlich aber ist die ASP zunächst in China selbst, nicht etwa in Deutschland aufgetreten, die chinesischen Bestände „brachen zusammen“: Die deutschen Schweineexporteure jubelten, der Absatz lief.

Kette von Brutalitäten

Dann: Corona. Die weltweiten Transporte kamen ins Stocken, die Preise fielen. Jetzt großes Aufatmen: Der Handel läuft wieder an!

Währenddessen wird in Laboren nicht nur an einem Corona-Impfstoff für den Menschen geforscht, sondern auch daran, „ob wir durch das Virus auch Schwierigkeiten in der Nutztierhaltung bekommen könnten“. Diese Frage beschäftigt zum Beispiel das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems, und man experimentiert dort mit Schweinen, Hühnern, Frettchen und Nilflughunden (einer Fledermausart). Das bedeutet also, (Labor-)Tiere qualvollen Prozeduren zu unterwerfen, um (Nutz-)Tiere einzusperren und zu töten, ohne dass man Konsequenzen aus der Verschleppung nochmals anderer (Wild-)Tiere zu befürchten hat … Wer meint, das menschliche Recht auf Bequemlichkeit und Konsumfreiheit rechtfertige eine solche Kette von Brutalitäten, dem ist vermutlich mit keinem Impfstoff mehr zu helfen.