Pilze sind wie Eisberge: den allergrößten Teil sieht man nicht. Das hat die Pilzsucherin natürlich schon irgendwie gewusst, dass sie, wenn sie im Wald einen Steinpilz abschneidet, nur eine Art Fruchtkörper eines unter Umständen riesigen Mycels erntet wie einen Apfel oder eine Aprikose vom großen Baum. Brav hat sie immer Erde über die Stelle der Ernte geschoben, um zu schützen – nun ja, was immer es im Boden zu schützen galt. Eine auch nur halbgenaue Vorstellung hatte sie nicht.

Das ändert nun das Buch „Verwobenes Leben. Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen“ von Merlin Sheldrake, Jahrgang 1987, Biologe, aber auch Historiker und Wissenschaftsphilosoph. Am Anfang blickt man noch skeptisch auf den Untertitel – nimmt Sheldrake den Mund da nicht arg voll? –, aber dann trägt er in acht Kapiteln zusammen, was die Pilze so geheimnisvoll wie wundersam macht. Er vermag es mit einem großen Anmerkungsapparat zu belegen, er markiert außerdem, wo wichtige Fragen noch offen sind, teilweise groß wie Scheunentore. Die Mykologie, zitiert Sheldrake den Forscher David Hawksworth, sei eine „übersehene Megawissenschaft“. Und noch nicht sehr viele verschreiben sich ihr.

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