Logan, Geesthacht - Von der Antarktis bis in die Tiefsee des Marianengrabens: Mikroplastik gelangt in die entlegensten Winkel der Erde. US-Forscher haben nun die Herkunft der Partikel in der Atmosphäre untersucht. Ihr Ergebnis: In den westlichen USA stammen 84 Prozent des atmosphärischen Mikroplastiks aus dem Straßenverkehr, 11 Prozent aus dem Meer und 5 Prozent aus der Landwirtschaft. Das berichtet ein Team der Utah State University in Logan im Fachjournal PNAS.

Dass Mikroplastik – also Partikel unter fünf Millimeter Durchmesser – auch durch die Luft weltweit verteilt wird, war bereits bekannt. Die Forscher werteten nun 14 Monate lang Ablagerungen an elf Sammelstationen im Westen der USA aus. Bei der mikroskopischen Analyse konzentrierten sie sich auf Teilchen mit einem Durchmesser von 0,004 bis 0,25 Millimeter.

Der Abrieb im Straßenverkehr trägt stark zum Mikroplastik in der Luft bei

Den enormen Beitrag des Straßenverkehrs erklärt das Team teils damit, dass sowohl der Straßenbelag als auch Reifen und Bremsen Kunststoff enthalten und Partikel beim Abrieb aufgewirbelt werden. Die Landwirtschaft verwendet Dünger, der aus Kläranlagen stammt und reichlich Mikroplastik enthält. Hinzu komme etwa die Nutzung von Mulchfolien aus Kunststoff, mit denen Felder abgedeckt werden, um die Verdunstung von Feuchtigkeit zu verhindern.

Im Meer dagegen treibe Mikroplastik wegen seiner geringen Dichte oft an der Wasseroberfläche und werde durch Wind oder Gischt in die Luft gewirbelt. Aus Städten und Ballungsräumen gelangt der Studie zufolge zwar viel Plastik in die Umwelt, der direkt von dort stammende Mikroplastik-Eintrag liege jedoch im Promille-Bereich.

dpa/Janice Brahney
Mikroplastik in Staub aus der Atmosphäre.

Insgesamt schätzen die Wissenschaftler, dass die Luft über der westlichen Hälfte der USA (westlich des 100. Längengrads) etwa 1000 Tonnen Mikroplastik enthält. Sie betonen jedoch, dass dies wohl nicht repräsentativ für andere Regionen sei. So sei etwa in Europa die Bevölkerungsdichte deutlich höher, und der Straßenbelag enthalte mehr Kunststoff. Andererseits hätten die westlichen USA ein eher trockenes Klima, was das Aufwirbeln von Mikropartikeln begünstige.

Die global größten Quell- wie auch Ablagerungsregionen von atmosphärischem Mikroplastik sind den Forschern zufolge die Ozeane – insbesondere der Pazifik und das Mittelmeer. Dort enthalte das Wasser zwei- bis dreimal mehr Plastikteilchen als in anderen Meeresbecken. Insgesamt gelangten pro Jahr 13.000 Tonnen Mikroplastik, die von Landflächen stammen, ins Meer. Dagegen würden 22.000 Tonnen, die aus dem Meer stammen, an Land deponiert. Wichtigste Ablagerungsregionen seien Nordamerika, Europa, Südwestasien, Indien und Ostasien.

Winzigste Plastikteilchen bleiben im Schnitt bis zu 6,5 Tage in der Atmosphäre

Die mittlere Verweildauer der Teilchen in der Atmosphäre schätzen die Forscher – etwa nach Größe, Region und Witterung – auf bis zu 6,5 Tage. „Da feine Aerosole innerhalb weniger Tage von einem Kontinent zum nächsten ziehen können, legen diese Daten nahe, dass Plastik bei günstigen Bedingungen über die großen Ozeane und zwischen Kontinenten transportiert werden kann“, schreiben sie.

Der deutsche Experte Ralf Ebinghaus vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht lobt zwar den Ansatz des Teams, Mikroplastik-Ablagerungen zu untersuchen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Letztlich seien elf Messstationen für die westlichen USA aber sehr wenig. Zudem sei es kaum möglich, natürliche und synthetische Partikel rein optisch zuverlässig voneinander zu unterscheiden. „Damit ist schon die Basis der Studie fragwürdig“, sagt der Umweltchemiker. Er lobt allerdings den Ansatz, den biogeochemischen Kreislauf von Mikroplastik und insbesondere die Rolle der Ozeane zu analysieren. „Das ist eine wichtige Anregung“, sagt er. „Da sollte man genauer hinschauen.“